Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

produkte  Koks  und  Teer  verblieben  auf  der  Grube  zum  Eigenverbrauch.86

Während  die  Gemeinde  Obervölklingen  den  Beleuchtungsvertrag  mit
der  Grube  alljährlich  verlängerte,  trat  im  April  1881  das  Königliche  Eisenbahnbetriebsamt
  in  Saarbrücken  mit  der  Bitte  an  die  Bergwerksdirekdon
  heran,  den  Bahnhof  Luisenthal,  welcher  sich  in  unmittelbarer
Nachbarschaft  der  Grubenanlage  befand,  mit  Gasbeleuchtung  zu  versehen.
  Ein  Vertrag  kam  aber  nicht  zustande,  da  beide  Seiten  sich  nicht
darüber  einigen  konnten,  wer  die  Kosten  für  die  zusätzlichen  Leitungen
und  Gasuhren  übernehmen  sollte.87  Erst  1891  schlossen  die  Parteien  einen
  Vertrag,  welcher  die  Beleuchtung  des  Bahnhofs  mit  höchstens  60
Flammen  sicherstellte.88
Um  die  Jahrhundertwende  fand  das  Gas  auch  als  Heiz-  und  Motorengas
  stärkere  Anwendung.  Da  Leuchtgas  für  18  Pfg.,  Heizgas  und  Motorengas
  für  13  beziehungsweise  12  Pfg.  pro  Kubikmeter  verkauft  wurden,
  stellten  einige  Bewohner  von  Obervölklingen  ihre  Beheizung  um.
Das  Gaswerk,  das  seit  1873  keine  wesentlichen  Veränderungen  mehr
erfahren  hatte,  konnte  die  steigenden  Anforderungen  immer  weniger
erfüllen.  1907  beschwerten  sich  mehrere  Bewohner  der  Gemeinde  beim
Völklinger  Bürgermeister:  "Die  Gasherde,  welche  im  Bezirke  Obervölklingen
an  die  von  der  fiskalischen  Gasanstalt  gespeisten  Bohrleitung  angeschlossen  sind,
brennen  nicht,  weil  der  Gasdruck  durchschnittlich  nur  25  mm  Wassersäule
beträgt“P  Auch  verschiedene  Gewerbetreibende  klagten  ihre  Not;  "Wir
haben  schon  seit  4  Wochen  ein  so  schlechtes  Gicht,  daß  ein  reger  Geschäftsgang  nicht
möglich  ist.  In  den  Wirths-  und  sonstigen  Geschäftslocalen  kann  man  kaum  ein
Geldstück  erkennen,  eine  Zeitlang  bei  diesem  Licht  %u  lesen,  ist  gar  nicht  möglich“2°
  Auch  in  den  späteren  Jahren  verstummten  die  Proteste  nicht;
1909  weigerten  sich  verschiedene  Bewohner,  die  Gasrechnung  zu  zahlen.
  Da  das  Ortsstatut  über  den  Bezug  von  Gas  und  Wasser  in  Paragraph
  1  keinen  Ersatz  bei  Gasunterbrechung  vorsah,  legte  der  Bürgermeister
  den  Anwohnern  die  Zahlung  der  Rechnung  nahe.91  Erst  1912,
als  die  Gasversorgung  der  Gemeinde  Völklingen  an  die  Gasanstalt-Be¬86

  Vgl.  Schilling  (1877),  S.  390
8  LA  Sbr.  Rep.  564/704:  Schreiben  vom  14.5.1881
88  LA  Sbr.  Rep.  564/704:  Vertrag  vom  5.11.1891
89  StA  Vkl.  AR  Fach  13  Nr.  9:  Schreiben  an  den  Bürgermeister  vom  4.7.1907
9(1  StA  Vkl.  AR  Fach  13  Nr.  9:  Schreiben  an  den  Bürgermeister  vom  4.7.1907
91  Stadt  Vkl.  Kommissions-Beschlußbuch:  Baukommission  vom  5.3.1909

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