Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Die  Gasbeleuchtung  auf  der  Grube  Gerhard  erschloss  sich  in  den  folgenden
  Jahren  neue  Anwendungsbereiche.  1867  richtete  man  zum  ersten
  Mal  unter  Tage  auf  der  dritten  Tiefbausohle  des  Albertschachtes
eine  Gasbeleuchtung  ein.83  Im  Oktober  1869  schloss  die  Grubenverwaltung
  mit  der  Gemeinde  Obervölklingen  einen  Beleuchtungsvertrag.
  Danach  lieferte  die  Gasfabrik  das  für  die  Straßenbeleuchtung
erforderliche  Gas  zu  einem  Preis  von  drei  Pfg.  pro  Stunde  und  Flamme.
Die  Verlegung  der  Leitungen  und  die  Aufstellung  der  Straßenlampen
sollte  die  Gemeinde  übernehmen.84  Zum  ersten  Mal  gab  damit  eine
Gasanstalt  der  staatlichen  Gruben  Gas  an  eine  Gemeinde  ab.
Das  bestehende  Gaswerk  erreichte  deshalb  schnell  seine  Kapazitätsgrenze.
  In  einem  Bericht  von  1873  kam  der  Bergbeamte  Nasse  zu  dem
Schluss,  dass  die  bestehende  Einrichtung  den  wachsenden  Anforderungen
  nicht  mehr  gerecht  werden  würde:  "Brennen  nämlich  abends  sämtliche
  Flammen,  deren  Zahl  gegen  300  beträgt,  gleicher  Zeit,  so  geben  die  von  dem
Gasometer  gespeisten  Flammen  ein  für  die  Arbeiten  in  den  Bureaus  namentlich  des
Inspektionsgebäudes  durchaus  ungenügendes  LJcht.  U7ird  der  größere  1  heil  der
Flammen  ausgelöscht,  so  schlägt  aus  den  übrigen  Brennern  plötzlich  eine  mehr  als
fußlange  Flamme  hervor,  welche  sich  so  nachtheilig  modernen  läßt,  daß  nicht  nur  der
betreffende  Kaum  in  unangenehmster  Weise  mit  Kuß  erfüllt  wird785
Auch  verursache  das  Gas  insbesondere  bei  längerem  Aufenthalt  in  geschlossenen
  Räumen  starke  Reizungen  der  Atemwege  und  habe  nach
Aussage  des  Arztes  bei  einzelnen  Beamten  zu  Schwindelanfällen  und
Übelkeit  geführt.  Zur  Behebung  der  technischen  Mängel  schlug  Nasse
den  Bau  eines  zweiten  Gasometers  von  150  Kubikfuß,  die  Verlegung
einer  zusätzlichen  Hauptleitung  sowie  das  Aufstellen  größerer  Reinigungsapparate
  vor.  Am  5.  Mai  1873  genehmigte  der  Minister  für  Handel,
  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  in  Berlin,  dem  die  Berginspektion
  Saarbrücken  direkt  unterstand,  die  vorgeschlagenen  Erweiterungsmaßnahmen.
  Die  Arbeiten  führte  die  Firma  Joos  Söhne  &  Comp,
aus  Landau  in  der  Pfalz  aus.  Das  Gaswerk  bestand  nun  aus  acht  Tonretorten
  in  drei  Öfen,  einem  Kondensator,  zwei  Skrubbern,  drei  Reinigern
  und  zwei  Gasometern  mit  jeweils  400  Kubikmeter  Inhalt.  Hieraus
wurden  insgesamt  465  Flammen,  darunter  200  in  Werkstätten,  90  in
Büros  und  zur  Beleuchtung  der  Maschinenanlagen,  15  Flammen  in
Dienstwohnungen  sowie  160  Straßenflammen  gespeist.  Die  Neben¬83

  HStA  Düsseldorf:  OBA  Bonn  1063:  Bericht  vom  23.1.1867
84  StA  Vkl.  AR  Fach  13  Nr.  9:  Vertrag  vom  16.10.1869
83  LA  Sbr.  Rep.  564/704:  Bericht  vom  23.4.1873

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