Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

nutze.  Im  Oktober  1855  etwa  bestanden  gleich  mit  sechs  Kaufleuten
Verträge.
Während  die  Untertage-Beleuchtung  mit  Rüböl  bis  1898  zumindest
teilweise  bestand,  stellte  die  Bergwerks-Direktion  1862  auf  der  Grube
I  on  der  Heydt  Versuche  mit  Paraffinöl  an,  das  die  Firma  A.  Wiesmann
&  Comp,  aus  Bonn  anlieferte.  Die  Paraffine,  die  bei  der  Destillation
von  Petroleum,  Holz  oder  Torf  als  Nebenprodukte  anfielen,  erwiesen
sich  jedoch  als  gänzlich  ungeeignet.  Zwar  übersüeg  die  Leuchtkraft  dieses
  Öls  diejenige  des  gewöhnlichen  Rüböls,  doch  reichte  das  Rüböl  bei
gleicher  Füllung  eine  halbe  Stunde  länger  aus.  In  einem  Schreiben  beschwerte
  sich  der  zuständige  Bergbeamte  darüber  hinaus,  "daß  dieses  angeblich
  gereinigte  und  geruchlose  Steinöl  selbst  an  P'unkten,  wo  ein  lebhafter  Wetterwechsel
  stattfindet,  (...)  einen  so  unangenehmen  starken  Geruch  verbreitet,  daß  während
  einer  halben  Stunde  seiner  Anwendung  die  heftigsten  Kopfschmerzen  und  sogar
Erbrechen  bei  den  dort  anwesenden  Grubenarbeitern  e  folgte"H  Aus  den  genannten
  Gründen  sei  niemand  im  Stande,  in  der  Nähe  der  Lampe  zu
arbeiten.  Erst  1879  kam  auf  den  Saargruben  zum  ersten  Mal  Petroleum
zum  Einsatz,  das  F.  W.  Korn  lieferte.  Einen  Sonderfall  stellt  die  Beleuchtung
  der  Grube  Bexbach  dar.  Hier  entströmte  laut  eines  Berichts
von  1854  aus  den  Wandlöchern  abgebauter  Stollen  solch  bedeutende
Mengen  Grubengas,  dass  diese  zur  Beleuchtung  eines  Stollens  eingesetzt
  wurden.69 70
Nicht  nur  untertage,  auch  übertage  gestaltete  sich  die  Einführung  einer
Beleuchtung,  die  den  Anforderungen  einer  großräumigen  und  gefährlichen
  Industrieanlage  genügte,  als  langwieriger  Prozess.  Auch  übertage
waren  anfangs  nur  wenige  stationäre  Lampen  vorhanden,  zumal  die
Belegschaft  damals  ihre  Grubenlichter  auch  übertage  mit  sich  führte.
Fielen  während  den  Abendstunden  dennoch  größere  Arbeiten  im
Freien  an,  so  zündeten  die  Bergleute  Kohle-  oder  Koksfeuer  an,  die  sie
in  transportablen  Geräten  mit  sich  führten.  Diese  Leuchtkörbe  oder
Feuerkörbe  boten  neben  ihrer  Eigenschaft  als  Lichtquelle  den  Vorteil,
dass  sie  -  insbesondere  im  Winter  -  auch  als  Wärmequelle  dienten.71  Jedoch
  sind  auch  die  Nachteile  einer  solchen  Beleuchtungstechnik  leicht
nachvollziehbar.  Die  Lichtausbeute  schwankte  nicht  nur  erheblich,  sie
hing  auch  davon  ab,  dass  ständig  neues  Brennmaterial  nachgelegt
wurde.  Auch  dürften  die  Feuerkörbe  durch  herumfliegende  glühende
Koks-  und  Kohlebrocken  nicht  ganz  ungefährlich  gewesen,  sein.
69  HStA  Düsseldorf.  OBA  Bonn  1066:  Versuchsergebnisse  vom  April  1863
70  Vgl.  Wolter  (1954),  S.  137
71  Vgl.  Baum  (1904),  S.  381

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