Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

tung  der  Anlage  erhielt  der  Ingenieur  Edmund  Kölwel  aus  Zweibrücken.53

In  den  folgenden  Jahren  nahm  der  Absatz  der  Hütte  weiter  zu.  An
zahlreiche  Städte  im  In-  und  Ausland  lieferte  das  Werk  Wasser-  und
Gasleitungen  sowie  Kanalisationsrohre,  was  die  Produktion  wiederum
erhöhte.  Während  sie  1875  erst  bei  4.800  Tonnen  lag,  betrug  sie  1885
bereits  21.000  Tonnen.  Im  gleichen  Zeitraum  stieg  die  Zahl  der  Beschäftigten
  von  512  auf  1.102.* 56  Vor  diesem  Hintergrund  gelangte  auch
die  kleine  Gasanlage  an  ihrer  Kapazitätsgrenze  und  bedurfte  der  Erweiterung.
  Am  28.  August  und  15.  September  1885  stellte  die  Unternehmensleitung
  deshalb  bei  der  Regierung  in  Trier  den  Antrag,  eine
neue  Gasfabrik  zu  errichten.  Die  neu  anzulegende  Gasfabrik  sollte  eine
Tagesproduktion  von  3.000  Kubikmeter  erzielen,  wozu  zwei  Öfen  mit
je  sechs  Retorten  dienten.  Auch  dachte  man  an  einen  zusätzlichen  Gasometer
  von  1.000  Kubikmeter  Inhalt.57  Nur  einen  Monat  später,  am
15. Oktober  1885  erteilte  die  Königliche  Regierung  die  Konzession.
Schon  nach  wenigen  Jahren  reichte  aber  auch  diese  Anlage  nicht  mehr
aus.  Die  Werksanlagen  beanspruchten  immer  mehr  Raum,  weitere  Gebäude
  kamen  hinzu,  das  interne  Transportsystem  war  von  Pferdefuhrwerken
  auf  eine  Schienenbahn  umgestellt  worden.  Das  Unternehmen
ging  1892  dazu  über,  Elektrizität  mit  110  Volt  Spannung  zunächst  mit
Hilfe  einer  Dampfmaschine  zu  erzeugen.  Die  Gasbeleuchtung  wurde  so
um  eine  elektrische  Beleuchtung  ergänzt.
Während  die  Nutzung  des  Gichtgases  anfangs  an  den  mangelhaften
Reinigungsmitteln  scheiterte,  weil  der  Gichtstaub  die  Gasleitungen  verstopfte,
  gelang  es  ab  1902,  den  Staub  aus  den  Gichtgasen  mit  Hilfe  von
Nassreinigern  so  weit  zu  reinigen,  dass  man  es  zum  Antrieb  von  Gasmaschinen
  verwenden  konnte.58  Den  so  erzeugten  Strom  nutzte  die
Hütte  zur  Elektrifizierung  der  Kleinbahn,  die  seit  1896  bestand.59  Die
erste  Gasmaschine  besaß  eine  Leistungsfähigkeit  von  300  PS.60  1906  erhielt
  die  Hütte  das  erste  Gasgebläse,  das  direkt  mit  einem  Hochofengasmotor
  gekoppelt  war.  Zwischen  1902  und  1914  gingen  insgesamt
sieben  Gasmaschinen  mit  zusammen  5.090  PS  zur  Gewinnung  von
85  Vgl.  Schilling  (1877),  S.  218
56  Vgl.  Kloevekorn  (1956),  S.  64;  Kollmann  (1911),  S.  42
^  A  HH  Erläuterung  zum  Konzessionsantrag  vom  28.8.85;  Revision  vom  15.9.1885
58  Vgl.  Herzig  (1985),  S.  47;  Keller  (1935),  S.  73  f.
59  Vgl.  Keller  (1935),  S.  68  f.
60  Vgl.  Schug  (1929),  S.  17

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