Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

angeschafft  worden.41  Die  Gasversorgung  der  Fabrik  erfolgte  über  eine
eigene  Leitung,  sodass  diese  die  Versorgung  des  Dorfes  nicht  länger
beeinträchtigte.  Zu  den  ursprünglichen  Abnehmern,  der  Steingutfabrik,
der  Großen  Mühle,  der  Gemeinde  und  einigen  Privatleuten  kamen  in
den  folgenden  Jahren  das  Postamt,  verschiedene  Sozialeinrichtungen
der  Firma  wie  die  Speiseanstalt,  das  Schwesternhaus  und  das
Krankenhaus  sowie  die  Residenzen  der  Fabrikherren  hinzu.
Nach  den  letzten  Eintragungen  des  Gasmeisters  Spengler  lag  der  Gasabsatz
  1897  bei  über  86.000  Kubikmeter.  Knapp  die  Hälfte  diente  zur
Beleuchtung  der  Mosaikfabrik,  der  Rest  ging  an  sonstige  Fabrikabteilungen
  und  an  außerhalb.  Die  Olausbeute  erreichte  56,5  Prozent,  der
Nettoüberschuss  lag  bei  über  5.000  Mark.42  Zwar  erschien  bereits  1890
in  einem  Investitionsplan  der  Posten  "Installation  von  elektrischem  Licht  in
der  Mosaikfabrik",  doch  scheint  dieses  Vorhaben  erst  viel  später,  möglicherweise
  mit  der  Elektrifizierung  von  Mettlach  im  Jahre  1926  zur  Ausführung
  gekommen  zu  sein.43  Nur  in  einzelnen  Betriebsabteilungen,  so
zum  Beispiel  in  der  Schmiedewerkstätte  (Schlosserei)  stand  seit  1897
ein  Dynamo.44
Während  die  Gasanstalten  der  Steingutfabrik  Mettlach  und  der  Cristalleriefabrik
  in  Wadgassen  einzig  und  alleine  der  Beleuchtung  der  Fabrikgebäude
  dienten,  eroberte  sich  das  Gas  seit  den  70er-Jahren  des  letzten
Jahrhunderts  in  der  Glasindustrie  der  Saargegend  einen  zusätzlichen
Einsatzbereich:  den  der  Ofenheizung.  Bis  dahin  wurden  die  Schmelzöfen
  der  Glashütten  direkt  mit  Steinkohle  befeuert.  Später  kamen  die  so
genannten  Boetiuschen  Gasöfen  zum  Einsatz.  "Diese  Öfen  benutzen  kein
eigentliches  Gas  %um  Lrhit^en,  der  I  rorgang  ist  vielmehr  so,  dass  %u  der  Kohlenflamme
  Luft  hin^utntt,  dadurch  eine  Art  Gas  entsteht,  welches  eine  viel  grössere
Temperatur  entwickelt  und  dadurch  ein  intensiveres  Aus  nutzen  der  Kohlen  bewirkt“A
  Gleichwohl  kann  man  diese  Öfen  nicht  als  eigentliche  Gasöfen
bezeichnen.  Von  solchen  lässt  sich  bei  den  erstmals  1872  eingesetzten
Siemensschen  Gas-Regeneradvöfen  sprechen,  bei  denen  das  in
besonderen  Generatoren  erzeugte  Gas  in  die  Schmelzöfen  geleitet  und
dort  verbrannt  wurde.  Diese  Öfen  wiesen  gegenüber  den  alten  Öfen  als
entscheidenden  Vorteil  auf,  dass  die  gleich  bleibende  Temperatur  den
41  A  V&B  182:  Beschluß  des  Kreisausschusses  vom  6.2.1889
42  A  V&B  265:  Jahresbericht  pro  1897  vom  26.2.1898
4-3  Vgl.  Herzig  (1985),  S.  141;  125  Jahre  Mosaikfabrik  (1969),  S.  6
44  125  Jahre  Mosaikfabrik  (1969),  S.  13
45  vgi.  Vopelius  (1895),  S.  23

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