teilte.36 Die Preise pro Kubikmeter lagen bei 60 Pfg. für Private, 40 Pfg.
für die Fabrik und 35 Pfg. für die Gemeinde.37
Zwar entschlossen sich gleich im ersten Betriebsjahr mehrere Privatleute
zur Bezug von Gas, doch klagten alle Abnehmer schon nach wenigen
Wochen über den zu hohen Gaspreis von 60 Pfg. pro Kubikmeter,
den hohen Gasverbrauch verschiedener Gasbrenner und qualitative
Mängel: "Dazu kommt noch der unregelmäßige Druck in der Dorfleitung
verursacht durch die Speisung der Steingutfabrik mit ihren 1600 Brennern gur
Abendzeit, es sinkt alsdann der Druck in allen Leitungen, so daß sämtliche Krahnen
ganz geöff net sind, um nach Schluß der Arbeitszeit plötzlich um mehr als 15
mf m gu steigen, und findet alsdann, wenn nicht sofort alle Privatleitungen regulirt
werden, ein erheblicher Gasconsum ohne mehr lacht statt"A
Zusätzliche Probleme entstanden dadurch, dass die Gasanstalt der
Firma eben mit Öl anstatt mit Steinkohle operierte. Die Qualität des
gelieferten Öls, welches Villeroy & Boch von einer Firma aus Antwerpen
bezog, ließ vielfach zu wünschen übrig. Nur selten erreichte der
Gasmeister Spengler die maximale Gasausbeute von bis zu 60 Kubikmeter
je 100 Kilo. Er reklamierte beim Firmenchef: "Als jedoch das Oel
gefroren war und aufgetaut werden mußte, ergab dasselbe nur mehr 39,40 cbm pro
100 Kilo, eine Ausbeute, die gegen die allgemein angenommene von minim. 55
Cbm. um mehr als 20 % zurück bleibt. Da nun das Oel ln den besagten Aufbewahrungsraum
in keiner Weise gegen Einfrieren geschützt werden kann, im Sommer
dagegen, in Folge zu hoher Temperaturen, viel Oel durch das Holz schwitzt
und verloren geht, so wird sich jedes Jahr unter diesen Umständen ein erheblicher
I 'erlust ergeben.,rv)
Gleichwohl nahm der Absatz in den folgenden Geschäftsjahren kontinuierlich
zu. 1882/83 lag der Gasverbrauch bei ca. 35.000, 1884/85 bei
knapp 50.000 und 1890 schon bei ca. 75.000 Kubikmeter.40 Ausschlaggebend
hierfür war, dass die Unternehmensleitung die Gaspreise herabgesetzt
hatte. 1889 war die Anlage zudem um einen zusätzlichen
Gasometer mit 400 Kubikmeter Inhalt ergänzt und eine weitere Retorte
36 A V&B 265
3^ Die Preise lagen damit zwar dreifach so hoch wie in anderen saarländischen Orten,
doch ist zu berücksichtigen, dass die Leuchtkraft des Petroleumgases die des Steinkohlengases
erheblich übertraf.
3^ A V&B 265: Revision vom 19.4.1883
39 A V&B 265
40 A V&B 265: Gasanstalt 1882-1883; Gasanstalt 1884-1885
77