Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Ende  der  70er-]  ahre  gelangte  die  alte  Gasfabrik  an  ihrer  Kapazitätsgrenze
  angelangt.  Am  30.  November  1879  beantragten  Villeroy  &
Boch,  wie  das  Unternehmen  seit  der  Fusion  der  beiden  Firmen  im  Jahre
1836  hieß,  bei  der  Königlichen  Regierung  in  Trier  die  Genehmigung
zum  Bau  einer  neuen  Gasanstalt.  Im  Gegensatz  zur  alten  Anlage  kam
aber  nicht  mehr  Steinkohle,  sondern  Erdöl  zum  Einsatz.  Die  Firma
machte  sich  hierbei  die  Erfahrungen  zunutze,  die  sie  am  Standort
Wadgassen  bei  Saarlouis  in  der  dortigen  Glashütte  und  Cristalleriefabrik
gemacht  hatte.  Dort  hatte  die  Firma  Schumann  &  Küdler  in  den  70er-Jahren
  eine  eigene  Gasanstalt  für  40  bis  50  Flammen  mit  Petroleum  als
Energieträger  errichtet.32
Die  Pläne  für  die  Mettlacher  Anlage  stammten  von  Hirzel  aus  Leipzig,
der  damals  in  ganz  Deutschland  den  Ruf  als  führender  Vertreter  für
Olgaswerke  genoss.33  Die  Mettlacher  Gasanstalt  bestand  aus  einem  Gebäude,
  welches  in  zwei  Räume  für  die  Retorten  und  Reinigungsapparate
unterteilt  war,  sowie  einem  Gasometer  mit  einem  Volumen  von  150
Kubikmeter.  Damit  sollten  800  Flammen  betrieben  werden.34  Nur  wenige
  Monate  nach  der  Beantragung,  am  28.  April  1880,  erteilte  die  Regierung
  ihre  Zustimmung  zum  Bau  der  Anlage.  Da  die  notwendige
Lampenzahl  innerhalb  der  Fabrik  zunächst  bei  höchstens  500  lag,  die
Gasanstalt  aber  optimal  ausgelastet  werden  sollte,  bot  die  Firmenleitung
der  Gemeinde  Mettlach  noch  im  gleichen  Jahr  an,  auf  den  Gemeindewegen
  Gasleitungen  zu  verlegen.  Damit  sollten  sowohl  eine
Straßenbeleuchtung  sichergestellt  als  auch  Privatkonsumenten  die  Möglichkeit
  eingeräumt  werden,  sich  mit  Gas  zu  versorgen  zu  lassen.35
Noch  Ende  1880  schlossen  die  Gemeinde  Mettlach  und  die  Firma  Villeroy
  &  Boch  einen  Vertrag,  wonach  die  Gemeinde  der  Fabrik  für  zunächst
  fünf  Jahre  das  außerordentliche  Recht  der  Gasbeleuchtung  er¬32

  Yg{_  Schilling  (1877),  S.  547;  Schilling  (1896),  S.  357;  im  Verlaufe  der  80er  und
90er-Jahre  erfuhr  die  Gasfabrik  eine  erhebliche  Ausweitung.  1895  lag  der  Jahreskonsum
  bei  20.000  Kubikmeter,  womit  430  Flammen  versorgt  wurden;  zur  allgemeinen
Entwicklung  der  Cristalleriefabrik  vgl.  Thomas  (1975)
33  Vgl.  Körung  (1963),  S.  222
3^  A  V&B  183:  Beschreibung  der  Gasanstalt  vom  30.11.1879
35  A  V&B  183:  Beschreibung  der  Gasrohrleitung  vom  24.12.1880

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