Nicht zuletzt die vollen Auftragsbücher ließen erste Überlegungen reifen,
die Arbeitszeit in die Abendstunden zu verlängern. Im Oktober
1845 schrieb Eugen von Boch, der in der Zwischenzeit seinem Vater
Johann Franz Boch als Firmenchef gefolgt war, an den Vizedirektor der
Mettlacher Fabrik, August von Cohausen:
"Lieber August, ich komme Sie bitten, sich wegen Lampen für unsere Steinmassleuchten
um^usehen - Ich wollte anfangen lassen abends gu arbeiten, aber unsere
Beleuchtungsmittel sind gar %u erbärmlich - Ich denke dass das Beste für uns Hängelampen
wie die der Druckerei sein werden; wir würden sie über die Tische hängen
und die Jungen dicht daran setzen... ”.28
Offensichtlich setzte die Firma die Pläne zu einer verbesserten Beleuchtung
der Fabrik aber nicht um, auch in Fabrikgebäuden war die
Gasbeleuchtung bis dato noch wenig erprobt. Denkbar ist auch, dass
sich die Auftragslage in der Zwischenzeit wieder so abschwächte, dass
sich Nachtarbeit erübrigte. Erst 1853 griff Boch die Idee wieder auf, am
20. September beantragte er bei der Königlichen Regierung in Trier "die
Concession %ur Anlegung einer Gasbereitungs- resp. Gasbewahrungs-Anstalt %ur
Herstellung einer Beleuchtung der Steingutfabrik %u Mettlach und %war in dem
hinter der Fabrik gelegenen Garten"P Wahrscheinlich beabsichtigte die
Firma, die Anlage noch vor dem Winter in Betrieb zu nehmen. Auch
die Königliche Regierung, die die Konzession am 16. Dezember 1853
erteilte, legte der Firma keine Hindernisse in den Weg. Im Januar 1854
musste Boch seinem Vizedirektor Cohausen aber mitteilen: "Mit der
Gasbeleuchtung sind wir nicht fertiggeworden. Wir haben noch Gel brennen müssen.
- Da wir aber abends nicht arbeiten, so hat es wenig -gu sagen “30
Über die eigentliche Anlage, die wahrscheinlich 1855 in Betrieb ging, ist
wenig bekannt. Die Jahresproduktion betrug in den 60er-Jahren etwa
1,5 Mio. Kubikfuß. In den folgenden Jahrzehnten expandierte die Produktion
insbesondere nach der Aufnahme der Keramikproduktion
1856 und dem Anschluss der Fabrik an die Eisenbahnstrecke Saarbrücken-Trier
im Jahre 1860. In den 60er-Jahren nahm die Fabrik die bis
dahin nur in England fabrikmäßig betriebene Herstellung von Wandund
Mosaikplatten auf, die 1869 in die Gründung einer eigenen großen
Spezialfabrik mündete.31
28 A V&B 32: Brief vom 25.10.1845
2^ A V&B 182: Konzessionsurkunde vom 16.12.1853
30 A V&B 182: Brief vom 19.1.1854
31 Vgl. Kuske (1917), S. 438; Thomas (1976), S. 233
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