Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

350  Privatflammen  wurde  ungereinigt  abgegeben  und  in  zwei  kleineren
Gasbehältern  mit  einem  Volumen  von  zusammen  118  Kubikmetern
gespeichert.  Der  Gaspreis  betrug  neun  Mark  für  1.000  Kubikfuß
(preuss.)  oder  29,1  Pfg.  für  den  Kubikmeter.21  Um  die  Kosten  für  die
öffentliche  Beleuchtung  in  Grenzen  zu  halten,  lehnte  der  Gemeinderat
im  Januar  1869  nach  langer  Diskussion  die  Aufstellung  einer  vierten  Laterne
  auf  der  Straße  nach  Saarlouis  ab.  Hierauf  erhob  der  Bürgermeister
Protest  beim  Landrat  von  Saarlouis.22  Auch  aus  den  Reihen  der  Gewerbetreibenden
  und  der  Bevölkerung  mehrten  sich  Klagen,  die  eine
bessere  Straßenbeleuchtung  forderten,  so  beispielsweise  der  Gastwirt
und  Rasierer  Jacobs:
"Nachdem  hierorts  in  allen  Straßen,  in  manchen  sogar  bis  außerhalb  des  Dorfes,  an
ganz  stillen  und  wenig  verkehrsreichen  Stellen  Internen  angebracht  sind,  ist  die
Gartenstraße  noch  immer  ohne  Beleuchtung.  Da  diese  Straße  mit  einer  der  lebhaftesten
  und  verkehrsreichsten  des  Ortes  ist,  und  nicht  selten  vorkommt,  daß  sich  in
der  Dunkelheit  Passagire  gegenseitig  an-  und  umstoßen,  was  häufig  %u  heftigen
Auseinandersetzungen  führt  und  gu  Streitigkeiten  und  Straßenauflauf  Veranlassunggibt,
  erlaube  ich  mir  die  ergebene  Frage,  ob  es  nicht  im  Interesse  von  den  in  den
Abendstunden  die  Gartenstraße  benutzende  Personen  sowie  im  Interesse  der  öffentlichen
  Ordnung  gelegen  ist,  auch  in  der  Gartenstraße  an  geeigneter  Stelle  eine  lüsterne
aufzustellen  “P
Mitte  der  90er-Jahre  verschlechterte  sich  das  Verhältnis  zwischen  der
Firma  Meguin  und  der  Gemeinde  zusehends.  Auf  eine  längerfristige
Zusammenarbeit  mit  der  Harzfabrik  legte  die  Verwaltung  keinen  Wert,
weil  man  ihr  überhöhte  Gaspreise  vorwarf.  Diese  Vorwürfe  ließ  der
Unternehmer  nicht  gelten,  indem  er  argumentierte,  dass  das  benutzte
Harzgas  über  eine  wesentlich  höhere  Leuchtkraft  als  Steinkohlengas
verfüge,  und  deshalb  höhere  Gaspreise  gerechtfertigt  seien.  Langzeitversuche
  auf  dem  Bahnhof  Fraulautern  ergaben,  "daß  eine  Flamme,  welche
115  IJter  Gas  in  der  Stunde  verbraucht,  bei  Steinkohlengas  eine  Lichtstärke  von  9
-  10  Kerzen,  bei  Harzgas  jedoch  eine  solche  von  26-27  Kerzen  entwickelt.  Beim
Verbrauch  desselben  Quantums  Gas  liefert  demnach  1  Flamme  von  Harzgas  annäherend
  dasselbe  wie  3  Flammen  von  Steinkohlengas,  oder  bei  einem  Preis  für
Kohlengas  von  16  Pfg.  pro  Kubikmeter  und  für  Harzgas  von  29  Pfg.  pro  Kubik-21

  Vgl.  Schilling  (1877),  S.  168
22  StA  Sis.  NB  XLIX  4  Heft  1  FRA:  Beschluß  vom  22.1.1869
2'^  StA  Sls.  NB  XLIX  4  Heft  1  FRA:  Gesuch  vom  17.3.1892

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