Har^destillation Gustav Meguin
1852 errichtete der Bankier und Kaufmann, Gustav Meguin, in Fraulautern
eine Fabrik zur Destillation von Harzen und Kerosin. Die
Hauptprodukte Harzöle, Pinolin und Stocköl dienten zur Herstellung
von Fetten, die als Wagenschmiermittel, Huffette, Leder- und Bodenpflegemittel,
Treibriemenfett sowie Brauer- und Schusterpech in der
näheren und ferneren Umgebung Absatz fanden.14 Als Nebenprodukt
bei der Desdlladon der Naturharze fiel Gas an, welches Meguin seit
1854 zur Beleuchtung seiner Fabrik einsetzte.15 FJn Pfund Harz ergaben
etwa 14 bis 23 Kubikfuß16 * Gas. Gas aus Harzen konnte dabei mit
Gas aus anderen Ausgangsmaterialien durchaus konkurrieren, seine
Leuchtkraft war nicht nur stärker, ein weiterer Vorteil bestand darin,
"daß das Gas aus Har.^ bereitet, durchaus keinen Geruch beim Verbrennen verbreitet
und also gur Beleuchtung im Innern der Gebäude sich weit besser eignet als
das Gas aus Steinkohlen".17 Auch musste es nach der Destillation keiner
aufwendigen Reinigung unterzogen werden.
Da das anfallende Leuchtgas den Bedarf der Fabrik überstieg, trat
Meguin Im August 1868 mit der Bitte an das Bürgermeisteramt Fraulautern
heran, die Gemeindewege zur Verlegung einer Gasrohrleitung
benutzen zu dürfen.18 Der Gemeinderat gab seinem Anliegen unter der
Prämisse statt, dass er das für die Straßenbeleuchtung erforderliche Gas
"%u den billigsten Preisen" abgeben müsse und erteilte ihm eine Konzession
auf 29 Jahre.19 Am 22. September 1868 schlossen Gustav Meguin
und der Fraulauterner Bürgermeister Semaine einen Beleuchtungsvertrag
ab, in welchem sich der Unternehmer auf die Dauer von zunächst
zehn Jahren zur Lieferung von Gas und zur Aufstellung von drei Straßenlaternen
bereit erklärte.20 Das Gas für die drei Laternen und etwa
Oel- und Lackwerke (o.J.)
15 Vgl. Schilling (1877), S. 168
16 Mitte des 19. Jahrhunderts existierten noch eine Vielzahl unterschiedlicher Hohlund
Längsmaße, die oftmals von Land zu Land differierten. Zu Vergleichszwecken
wurde deshalb oftmals auf das englische Maß zurückgegriffen, zumal die Gasbeleuchtung
aus England kam. 1.000 Kubikfuß entsprachen in England 28,315 Kubikmeter,
in Preußen 30,916 Kubikmeter; vgl. Schilling (1877), S. 623 und 629
^ Rutter (1835), S. 22; auch Ilgen (1874), S. 28 äußert sich sehr positiv über die "vorzügliche
Leuchtkraft" des Harzgases
18 StA Sls. NB XLIX 4 Heft 1 FRA: Schreiben vom 19. August 1868
1 ^ StA Sls. NB XLIX 4 Heft 1 FRA: Sitzung des Gemeinderates vom 6.9.1868
“6 StA Sls. NB XLIX 4 Heft 1 FRA: Verträge vom 22.9.1868 und 18.2.1870
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