Auch wenn ein Teil der Belegschaft die Fabrik wieder verließen und
sich die technischen Neuerungen in eigenen Werkstätten zunutze machen
wollten, stieg der Absatz der Firma Adt in den folgenden fahren
erheblich an; die Produkte gelangten über Flandelsreisende bis nach
Ungarn, Polen und Russland. Auch die Belegschaftszahlen nahmen entsprechend
zu. 1839, im fahre ihrer formellen Gründung beschäftigte die
Gesellschaft "Gebrüder Adt" 40 Arbeiter, 1850 etwa 150, im folgenden
Jahr bereits 300 Arbeiter.4 Bedeutenden Anteil an dieser Entwicklung
hatte die Aufstellung einer Dampfmaschine von zehn PS im fahre 1849,
die zum Antrieb der ersten maschinellen Pressen diente.5 Infolge der
dadurch ausgelösten Produktionserhöhung sah sich die Unternehmensleitung
veranlasst, die Betriebszeiten auszudehnen. Hierbei spielte die
Beleuchtungsfrage eine entscheidende Rolle. Obwohl die Gasbeleuchtung
bis dahin in der näheren und ferneren Umgebung nicht erprobt
war - die gesamte Pfalz besaß zu diesem Zeitpunkt noch kein Gaswerk
- entschloss sich Peter Adt, im Verlauf des Jahres 1850 eine kleine Gasfabrik,
die erste derartige Einrichtung weit und breit, zu errichten.6
Die Anlage bestand aus zwei Ofen mit je einer Retorte und versorgte
zunächst 60 Flammen in den Fabrikgebäuden. Man benutzte Steinkohle
als Energieträger. In späteren fahren wurde die Anlage erweitert, sodass
sie 220 Flammen speisen konnte. Der durchschnittliche Tagesver¬4
Vgl. Wilmin (1979), S. 10; Göhler (1926), S. 47; zur Konzessionsfrage: LA Sbr. LRA
St. Ingbert 1518; vgl. auch die Darstellung bei Peter Adt III: "Als die Dampfmaschine
fertig war und ihren Einzug ins Dorf hielt, da rotteten sich viele Bewohner zusammen
und begrüßten dieselbe mit Schreien und dem Rufe: 'Da kommt die Unglücksmaschine;
jetzt ist das Dorf verloren'."
^ LA Sbr. LRA St. Ingbert 1518
Vgl. Göhler (1926) S. 50 f.; Henri (1979), S. 10; auch Ilgen (1874), S. 51 erwähnt die
Privatgasanstalt der Dosenfabrik leider ohne Jahresangabe. Schilling datiert in seiner
statistischen Übersicht von 1868 die Errichtung des Gaswerks bereits auf das fahr
1845. Aus mehreren Gründen halte ich dieses Datum für falsch. Außer bei Schilling
gibt es für die Zeitangabe keinerlei Belege. Auch sind den sehr detaillierten
Beschreibungen der Fabrikanlagen, die 1847/48 in Zusammenhang mit der Errichtung
der Dampfmaschinen angefertigt wurden, keine Hinweise auf eine Gasanlage zu
entnehmen. Weiterhin scheint es plausibel, dass die Firma Adt zunächst eine Dampfmaschine
errichtete, und sich erst später durch die sich dadurch ergebende Produktionserhöhung
auch die Frage der Beleuchtung der Fabrikationsräume in den
Wintermonaten und den Abendstunden stellte. Schließlich ist der Angabe von Göhler
mehr Vertrauen einzuräumen, da dieser um die Jahrhundertwende bei der Firma Adt
als Betriebsdirektor fungierte, und wahrscheinlich auch auf die Originalakten zurückgreifen
konnte.
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