Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

zeitigen Auftretens des Petro len ms und trotz der grossen politischen Ereignisse, wel¬ 
che in diesen Jahrzehnten so störend auf manche andere Verhältnisse eingewirkt ha¬ 
ben. Das Bedürfnis nach I acht hat sich auch im wörtlichen Sinne unwiderstehlich 
gemacht, und eine verlängerte und gesteigerte Thätigkeit überall Platz gegriffen. ’n(r 
Neben der Alternative, ausländische oder deutsche Unternehmen mit 
dem Bau einer Gasanstalt zu beauftragen, stand als weiteres Entschei¬ 
dungskriterium zur Disposition, die Gasanstalt privat oder als kommu¬ 
nale Anstalt zu betreiben. Bis 1850 standen 23 privaten Gasanstalten 
erst vier kommunale Gaswerke gegenüber. Zwischen 1850 und 1880 
ging der Anteil der privatwirtschaftlichen Betriebe immer weiter zurück, 
sodass um 1890 die Gründungen der Städte und Gemeinden die 
Oberhand gewannen.107 108 Auch gingen immer mehr Kommunen dazu 
über, private Gasanstalten zu kommunalisieren. Brunckhorst unter¬ 
scheidet eine "liberale Kommunalisierungsphase" zwischen 1860 und 
1874 sowie eine "administrative Kommunalisierungsphase“ zwischen 
1885 und 1899. In der ersten Phase, die insbesondere von liberalen 
Honoratioren als Entscheidungsträger in der Kommunalpolitik forciert 
wurde, bildeten die starre Preispolitik der Privatunternehmen und die 
verbesserten ökonomischen und technischen Randbedingungen (hö¬ 
here Steuereinnahmen, größere Verbreitung der Gastechnik, Stärkung 
der Einnahmen) die entscheidenden Motive. In der zweiten Kommu¬ 
nalisierungswelle, die hauptsächlich von den städtischen Verwaltungen 
ausging, spielten der Gedanke der Beschaffung von Einnahmen und die 
Ausweitung des Gemeindevermögens, sozialpolitische Aspekte (Ge¬ 
staltung der Preispolitik, Ausbau der Gasversorgung) sowie verwal¬ 
tungsinterne Aspekte die ausschlaggebende Rolle.109 
107 Schilling (1879), S. 21 
108 Vgl. Brunckhorst (1978), S. 25 
109 Vgl. Brunckhorst (1978), S. 222 ff.; Ambrosius (1984), S. 43 f. 
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