Die Gasanlage nahm 1826 die Produktion auf. Im gleichen jahr eröffnete
die englische Gesellschaft auch in Berlin eine Gasanstalt.104
Bis in die 50er-Jahre des 19. Jahrhunderts beherrschten ausländische
Unternehmen die Gasversorgung in Deutschland. Nur in Dresden
(1828), Frankfurt am Main (1828) und Leipzig gingen die Gasanstalten
auf Pläne einheimischer Techniker zurück. Dagegen vertrauten die
Stadträte vor allem in Süd-, West- und Norddeutschland auf die Erfahrungen
englischer, französischer, belgischer und auch Schweizer Fachleute.105
Bis 1846 standen zwölf ausländischen nur sechs inländische
Gründungen gegenüber. Erst danach setzte eine offene Auseinandersetzung
zwischen deutschen und ausländischen Firmen um die Vorherrschaft
in der Gasversorgung ein. Neben der Strategie der Regierungen
und Handelsministerien, einer möglichen Monopolisierung des
Gassektors vor allem durch englische Firmen vorzubeugen, machten
die meisten Städte mit den ausländischen Gesellschaften negative Erfahrungen.
Die hauptsächlichen Konfliktpunkte entzündeten sich an
den rigiden Vertragsbestimmungen mit langen Laufzeiten, den hohen
Gaspreisen und der fehlenden Bereitschaft der Firmen, die Gasbeleuchtung
auf neue Stadtteile auszudehnen.106 In den 5Qer-Jahren setzte
ein regelrechter Boom in der deutschen Gaswirtschaft ein. Während bis
1850 nur 35 Gasanstalten in Betrieb waren, wurden alleine zwischen
1851 und 1860 188 sowie zwischen 1861 und 1870 weitere 340 Anlagen
eröffnet.
"Man sieht also, dass die fünfziger und mehr noch die sechziger Jahre es waren, in
welchen die Gasbeleuchtung in Deutschland eigentlich durchschlug, trotg des gleich¬104
Vgl. Schilling (1879), S. 15; Liepmann (1924), S. 181; Rudnitzky (1932), S. 22; Gils
(1952), S. 180; Bausch (1956), S. 357; Grohmann (1991), S. 25 ff.;
105 Ausländische Gründungen waren neben denen in Hannover (1826) und Berlin
(1826), auch die in Aachen (1837), Elberfeld (1839), Wesel (1840), Köln (1841),
Lennep bei Remscheid (1843), Baden-Baden (1845), Stuttgart (1845), Düsseldorf
(1846), Karlsruhe (1846), Hamburg (1846), Koblenz (1847), Nürnberg (1847), Augsburg
(1848), München (1850), Güstrow (1850) sowie eine weitere Anlagen in E7rankfurt
am Main (1845).
Dagegen wurden die Gasanstalten in Frankfurt am Main (1828), Leipzig (1838), Trier
(1843), Deutz (1844), Barmen (1846), Freiberg (1846), Offenbach (1847), Stettin
(1847), Breslau (1847), Wiesbaden (1847), Hanau (1850), Freiburg (1850) und Kassel
(1850) von deutschen Unternehmen oder in städtischer Regie wie in Berlin (1847)
erbaut; Zusammenstellung nach Oechelhäuser (1859); Schilling (1879), S. 14 ff.;
Schilling (1896); Schnabel-Kühn (1910), S. 28; Greineder (1914), S. 2 £; Brunckhorst
(1978), S. 17; Wehrmann (1958), S. 32 ff.
106 Vgl. Wehrmann (1958), S. 38; Brunckhorst (1979)
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