den mussten, kam diese Versorgungstechnik mit der Errichtung des
ersten Pariser Gaswerks 1819 zum Erliegen."
Die Entwicklung der Gasversorgung in Deutschland wies erhebliche
zeitliche Verzögerungen zur Entwicklung in England auf. Nachdem
Eampadius in Freiberg in Sachsen jahrelange Versuche in Hinblick auf
eine Verbesserung der Gaserzeugung durchgeführt hatte, gelang ihm
1811, einen Teil der Fischergasse in Freiberg von seiner Wohnung aus
zu beleuchten. Die Vorrichtung wies allerdings noch erhebliche technische
Mängel auf. 1816 beauftragte das Oberbergamt Eampadius, für
zwei "des lichtes während der ganzen Nacht bedürfende, Räume des Königlichen
Amalgammrerkes an der Halsbrücke bei Freiberg"100 eine Gasbeleuchtung
einzurichten.101 In den folgenden Jahren entstanden zwar vor allem in
einzelnen Fabriken Gasbeleuchtungseinrichtungen, doch befand sich
die Technik in Deutschland um 1825 noch immer im Versuchsstadium.
Zu diesem Zeitpunkt beleuchteten in England bereits über 50 Städte
ihre Straßen mit Gas.102 "Man muß", so resümierte Schilling im Nachhinein,
"die politische und wirtschaftliche Vage unseres Vaterlandes ins Auge fassen,
um dies %u erklären. Die Industrie hatte ja überhaupt noch nicht Wurzel fassen
können bei uns, es war kein Unternehmungsgeist vorhanden, es stand kein Kapital
%ur Verfügung, und die Schwierigkeiten, die von Behörden und Regierungen bereitet
wurden, Hessen selbst die Anstrengungen hervorragender Männer nach und nach ermattend003
In Dresden dauerte es beispielsweise zwölf Jahre, bis der
Vorschlag des Königs von Sachsen, eine Gasbeleuchtung einzuführen,
gegen die Widerstände der Polizeibehörden umgesetzt wurde, sodass
die Dresdner Gasanstalt im April 1828 in Betrieb gehen konnte.
Angesichts dieser politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten lag
es nahe, dass die englische Gaswirtschaft in Deutschland rasch Fuß
fasste. Sie verfügte nicht nur über das technische Know how und das
notwendige Kapital, sondern auch über ausgebildete Fachleute und
praktische Erfahrungen. Einige Fabriken, wie etwa die Königliche Maschinenfabrik
(1816) in Berlin, kauften die Gaserzeugungsanlagen direkt
in England und ließen sie in Deutschland aufbauen. Auch trat die
IGCA direkt nach ihrer Gründung 1824 mit mehreren deutschen
Städten in Verhandlungen ein. Als erste Stadt beauftragte 1825 Hannover
die ICGA, eine Gasbeleuchtung für 1.000 Flammen einzurichten.
99 Vgl. Kuhn (1905), S. 59; Rebske (1962), S. 38
100 Lampadius (1816), S. 199; auch Blochmann (1871), S. 42
101 GWF, 88. Jg. (1947), Heft 4, S. 127; Engshuber (1991), S. 91 f.
102 Vgl. Fürth (1925), S. 7; Rebske (1962), S. 39
103 Schilling (1879), S. 14; ähnlich von Bülow (1923), S. 16 f.
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