Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Nation  vergrößern,  und  der  Zahl  ihrer  inländischen  Hilfsquellen  eine  neue
hin%u%ußigen'\  so  der  führende  Gastechniker  der  damaligen  Zeit,  Friedrich
  Accum.96  1813  stellte  die  "Gaslight  &  Coke-Company"  an  der
Westminsterbrücke  in  London  einige  Gaslaternen  auf,  die  erstmals  an
Sylvester  1813  brannten.  Am  1.  April  1814  dehnte  die  Pfarrei  St.  Margareth
  in  Westminster  die  Gasbeleuchtung  auf  den  gesamten  Stadtteil
aus.
Die  vierte  Entwicklungsstufe  bestand  darin,  dass  das  Gas  den  Weg  von
der  öffentlichen  Beleuchtung  zurück  in  die  Häuser  fand.  Während  das
Gas  aber  ursprünglich  selbst  erzeugt  wurde,  wurde  es  jetzt  in  einer
Zentrale  produziert  und  den  Privatkonsumenten  zugänglich  gemacht.
Dies  geschah  i.d.R.  über  ausgedehnte  Leitungsnetze,  doch  deutet  die
große  Verbreitung  des  Portativgases  -  des  in  speziellen  Behältern  zu
transportierenden  Gases  -  in  den  Anfangsjahren  der  Gasversorgung
darauf  hin,  dass  sich  die  heute  übliche  Technik  nur  mittelfristig  durchsetzte.

1816  erhielt  die  "Gaslight  Sc  Coke-Company"  vom  englischen  Parlament
  die  Konzession,  in  ganz  Großbritannien  die  öffentliche  Gasbeleuchtung
  einzuführen.  In  London  und  in  anderen  Städten  wie  Birmingham,
  Norwich,  Hüll  und  Plymouth  breitete  sich  die  Gasversorgung
  nun  sehr  rasch  aus.  Es  mehrten  sich  Pläne,  die  Gasbeleuchtung
auch  außerhalb  der  Insel  mit  Hilfe  einer  englischen  Firma  einzurichten.
Zu  diesem  Zweck  gründeten  mehrere  Industrielle  1824  die  "Imperial-Continental-Gas-Association"
  (ICGA).9"  Während  sich  in  England
schnell  die  Steinkohle  als  der  beste  und  wirtschaftlichste  Brennstoff
herauskristallisierte,  unternahmen  Gastechniker  in  anderen  europäischen
  Ländern  Versuche  mit  tierischen  und  pflanzliche  Fetten,  Harzen,
Seifenwasser,  Trester,  Knochen,  Bitumen,  Torf  und  Exkrementen  als
Ausgangsstoffe  zur  Gasbereitung.98  Auch  blieb  noch  offen,  ob  die  Gasbeschaffung
  der  Konsumenten  über  Leitungen  oder  über  Transportbehälter
  erfolgen  sollte.  So  wurde  1815  das  Steinkohlengas  in  Paris
nicht  in  Rohrleitungen,  sondern  in  transportablen  Blechkesseln  mit  geringem
  Druck  befördert,  die  den  Verbrauchern  in  die  Wohnhäuser  gebracht
  wurden.  Da  die  Vorratsbehälter  aber  täglich  neu  aufgefüllt  wer-96

 Accum  (1815),  S.  6
9  Vgl.  Schilling  (1879),  S.  15;  Rebske  (1962),  S.  38  dagegen  datiert  die  Gründung  der
IGCA  bereits  auf  1820.
98  Vgl.  Knapp  (1859),  S.  46;  Böhm  (1905),  S.  11

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