Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

verteilten  sich  die  Anteile  der  Öffentlichen  Hand  auf  eine  Vielzahl  von
Aktionären  mit  nicht  unbedingt  konvergenten  Interessen.  Lediglich  die
Anteile  von  Rheinland-Pfalz  und  von  Saarbrücken  erreichten  noch  eine
Größenordnung,  die  effektive  Mitwirkung  innerhalb  der  Aufsichtsgremien
  ermöglichten.  Von  den  sechs  -  von  insgesamt  siebzehn  -  Aufsichtsratsvertretern
  der  Öffentlichen  Hand  stellte  die  Stadt  Saarbrücken
und  die  ihr  nahe  stehende  Versorgungsgesellschaften  alleine  drei,  das
Land  Rheinland-Pfalz  zwei.  Von  den  elf  weiteren  öffentlichen  Anteilseignern
  war  ansonsten  nur  noch  die  Gasanstalt  Kaiserslautern  im  Aufsichtsrat
  vertreten.  Für  die  sonstigen  kommunalen  Beteiligten  bestand
angesichts  dieser  Konstruktion  faktisch  keine  kontinuierliche  Mitwirkungsmöglichkeit
  mehr.  Selbst  die  größeren  Kommunen  nahmen  ihre
Stimmrechte  jedoch  nicht  direkt,  sondern  aus  steuerlichen  Gründen
über  ihre  Versorgungsunternehmen  -  Stadtwerke  Saarbrücken,  Technische
  Werke  Ludwigshafen,  Gasanstalt  Kaiserslautern  -  wahr,  eine  zusätzliche
  Form  der  Entkommunalisierung,  besaßen  die  demokratisch
legitimierten  Gremien  wie  die  Stadträte  keinerlei  Einflussmöglichkeit
mehr.  Schließlich  gehörten  nur  noch  fünf  saarländische  Anteilseigner
der  SFG  an,  gegenüber  zehn  Aktionären  im  Jahre  1950.  Verschiedene
Gebietskörperschaften  hatten  bereits  im  Zuge  der  Kapitalerhöhung
vom  21.  Juni  1972  ihre  Aktienanteile  an  der  SFG  veräußert,  wobei  neben
  den  fehlenden  Mitwirkungsmöglichkeiten  auch  die  knappen  Kapitalmittel
  -  immerhin  erhöhte  sich  das  Stammkapital  von  zehn  auf  30
Mio.  DM  -  den  Ausschlag  gaben.  U.a.  schieden  damals  neben  der  Gaz
de  France90  auch  die  Landkreise  Merzig  und  Saarlouis  sowie  die  Stadt
Homburg  als  Aktionäre  aus.  Der  Landkreis  Saarbrücken  hatte  bereits
zum  29.  Juli  1969  seine  Anteile  an  die  Stadtwerke  Saarbrücken  und  die
Saarbergwerke  AG  veräußert.91
Mit  der  Ruhrgas  und  den  Saarbergwerken  besaßen  seit  1979  zwei  Unternehmen
  die  Übermacht,  die  ihre  eigenen,  wenngleich  keineswegs
gleichgerichteten  Interessen  innerhalb  der  SFG  verfolgten.  Während

97  Zwei  Faktoren  veranlaßten  die  Gaz  de  France,  sich  1972  aus  der  SFG  zurückzuziehen:
  Zum  einen  gingen  die  Gaslieferungen  nach  Frankreich  in  den  60er  Jahren  nach
und  nach  zurück,  sie  lagen  zuletzt  noch  bei  43  Mio.  Kubikmeter,  das  entsprach  nicht
einmal  zwei  Prozent  der  Gasabgabe  der  SFG.  Zum  anderen  orientierte  sich  die  französische
  Gaswirtschaft  wie  andere  Länder  stärker  auf  das  einheimische  Erdgas  sowie
Erdgasimporte,  die  Mitwirkung  in  einem  ausländischen  Regionalunternehmen  mit
überwiegender  Kokereigasdarbietung  besaß  somit  keinerlei  strategische  Bedeutung
mehr;  Saar-Ferngas  AG  GB  (1971),  S.  10
91  A  Stadtverband  Sbr.  K  111  8  1  3/01:  Aufsichtsratssitzung  vom  23.7.1969

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