Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

Bürgermeisters Aufgabenbereiche ab, die sich später zu den klassischen 
Ressorts der Stadtverwaltung entwickelten: Syndikus, Kämmerer und 
Baurat. Unterstützung erhielten sie ihrerseits von Sekretären und sonsti¬ 
gen Mitarbeitern: "Die Professionalisierung städtischer Verwaltungstätigkeit im 
Zuge der Funktionssteigerung der Kommunen war die Folge. Das führte -gur 
Fierausbildung der Kommunalbürokratie'25 Am stärksten gestaltete sich die 
Ausdifferenzierung und Professionalisierung im Bereich der Städ¬ 
tetechnik, in der Gas- und Wasserversorgung, dem Straßenbau, der 
Kanalisation und dem Tiefbau. 
Während die Städte bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Ver¬ 
waltung nach und nach ausbauten, blieb in den kleinen Gemeinden bis 
um die Jahrhundertwende die Dominanz von Bauern und Hand¬ 
werksmeister in der Kommunalpolitik erhalten. Danach nahmen aber 
auch dort die Aufgabenbereiche zu, auch verlangte "der Standard allge¬ 
meiner zivilisatorischer Ausrüstung (Wolfgang Hofmann) nach Lösungen 
in Fragen der Kanalisation, Beleuchtung, Wasserversorgung und Stra¬ 
ßenbau. Da manche Aufgaben die Kompetenzen oder finanziellen 
Möglichkeiten einer einzelnen Gemeinde überschritten, schlossen sie 
sich zu Samtgemeinden oder Bürgermeistereien zusammen, die alle 
kommunalen Angelegenheiten in ihren Zuständigkeitsbereich über¬ 
nehmen konnten. Eine Weiterentwicklung dieses Gedankens brachte 
die Bildung von Zweckverbänden, welche Preußen per Gesetz vom 19. 
Juli 1911 ermöglichte. Danach bildeten Gemeinden Zusammen¬ 
schlüsse, wenn sie zur Erfüllung der Aufgaben zu schwach waren oder 
die Lösung im übergeordneten Interesse lag.* 26 
Die zunehmenden Aufgaben stellten die meisten Gemeinden vor das 
grundsätzliche Problem, zusätzliche Finanzmittel aufbringen zu müs¬ 
sen. "Ursprünglich bezogen sie ihre Einnahmen aus den Grundsteuern, das heißt 
aus der Besteuerung von Grund und Boden im Stadtbereich, und aus dem städti¬ 
schen Vermögen: Einkünften aus der Allmende, aus öffentlichen Betrieben (wie 
Mühlen, Kränen, Steinbrüchen) sowie aus Zöllen und Gerechtsamen (wie Geleit¬ 
recht, Mängrecht)“.2-1 Hinzu kamen die Steuern auf Nahrungs- und Ge¬ 
nussmittel (Brot, Salz, Bier, Schlachtvieh) sowie die auf Einkommen 
französischen Verwaltungsorganisation liegt". Die rheinische Bürgermeistereiverfas¬ 
sung nahm diesen Gedanken auf und räumte dem Bürgermeister weitgehende Kom¬ 
petenzen ein. Der Gemeinde- beziehungsweise Stadtrat besaß eher Anhörungs- als 
echte Mitwirkungsrechte; vgl. auch Bär (1919), S. 271; Heffter (1950), S. 105; Müthling 
(1966), S. 42 f. 
2^ von Saldern (1994), S. 5; auch Preuss (1906), S. 258; Steinbach (1932), S. 123 
26 Vgl. Krabbe (1989), S. 36 
27 Krabbe (1989), S. 155 
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