Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

ternehmen,  private  Haushalte  aber  kaum.82  Vor  dem  Hintergrund  der
nicht  enden  wollenden  Kritik  am  Netzzugang  und  der  wachsenden
vertikalen  Integration  und  Konzentration  in  der  Energiewirtschaft,  den
ein  Monitoring-Bericht  erneut  bestätigte,  entschied  sich  die  Bundesregierung
  im  März  2003  doch  eine  Regulierungsbehörde  einzurichten.
Die  Regulierungsaufgaben  nimmt  die  bereits  bestehende  Regulierungsbehörde
  für  Telekommunikation  und  Post  wahr,  diese  firmiert  nun  unter
  „Bundesregulierungsbehörde  für  Elektrizität,  Gas,  Telekommunikation
  und  Post“.  Die  Behörde  soll  allen  Interessierten  einen  diskriminierungsfreien
  Netzzugang  zu  angemessenen  Preisen  ermöglichen  und  als
Genehmigungsinstanz  für  zukünftige  Verbändevereinbarungen  fungieren.
  Obwohl  die  Einsetzung  der  Behörde  auch  als  Drohung  diente,  die
Verbände  zur  Wiederaufnahme  ihrer  Verhandlungen  zu  bewegen,
scheiterten  die  Gespräche  zwischen  den  Verbänden  im  Mai  2003  erneut.83
  Deshalb  schrieb  die  Bundesregierung  im  Entwurf  des  neuen
Energiewirtschaftsgesetzes  vom  Juli  2004  die  staatliche  Aufsicht  über
die  1.700  Betreiber  von  Strom—  und  Gasnetzen  fest.  Allerdings  unterliegen
  die  von  den  Netzbetreibern  erhobenen  Entgelte  nur  nachträglich
(„ex  post“)  der  Überprüfung  durch  die  Regulierungsbehörde.  Hingegen
favorisieren  mehrere  CDU-regierte  Bundesländer  eine  „ex-ante“-Kontrolle,
  um  von  vorneherein  überhöhte  Nutzentgelte  zu  verhindern.84
Ob  die  zukünftige  Regulierungsbehörde  alleine  mit  dazu  beitragen
kann,  die  Preisentwicklung  beim  Erdgas  zu  stabilisieren,  mag  auch  deshalb
  bezweifelt,  weil  der  Erdgasmarkt  sehr  stark  im  Wachsen  begriffen
ist.  Bereits  2003  entfielen  auf  Erdgas  22,5  Prozent  des  Primärenergieverbrauchs
  der  Bundesrepublik  gegenüber  21,7  Prozent  im  fahr  zuvor.
Dieser  Trend  wird  sich  in  den  kommenden  fahren  fortsetzen,  nicht  zuletzt
  wegen  der  Nachfrage  der  privaten  Haushalte  sowie  der  Gewerbeund
  Dienstleistungsunternehmen.  Alleine  2003  nahm  der  Bestand  an
erdgasbeheizten  Wohnungen  um  300.000  auf  mittlerweile  17,5  Mio.  zu.
Damit  verfügten  etwa  46,6  Prozent  des  Wohnungsbestands  über  eine
Erdgasheizung.  Bei  den  zum  Bau  genehmigten  Wohnungen  liegt  der
Anteil  mit  75  Prozent  noch  weitaus  höher.  Große  Wachstumspotenzi¬82

  Financial  Times  Deutschland  vom  3.5.2002:  Vereinbarung  für  Gasmarkt  erhält  Gesetzesrang;
  Frankfurter  Allgemeine  Ztg.  vom  14.5.2002:  Der  Wechsel  des  Gasanbieters
  scheitert  am  fehlenden  Markt;  Die  Welt  vom  6.6.2002:  Gaswirtschaft  erwartet
kaum  Wettbewerb  um  Haushaltskunden
Handelsblatt  vom  3.9.2003:  Neues  Gasmarktmodell  stößt  auf  Kritik
84  Saarbrücker  Ztg.  vom  13.9.2004:  Preis-Kontrolle  im  Vorhinein

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