Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Schwer  prognostizierbar  ist,  ob  und  in  welchem  Ausmaß  die  geplante
Novellierung  des  Energiewirtschaftsgesetzes  für  mehr  Wettbewerb  in
der  Gasbranche  sorgt.  Denn  der  Gasbranche  gelang  es  jahrelang,  sich
erfolgreich  gegen  jegliche  staatliche  Regulierung  zu  behaupten.  Obwohl
bereits  1997  eine  EU-Richtlinie  der  Bundesregierung  vorgab,  den  Netzzugang
  Dritter  auch  im  Gassektor  sicherzustellen,  den  Erdgasmarkt
stufenweise  zu  öffnen,  um  damit  nicht  zuletzt  Preissenkungen  von  bis
zu  30  Prozent  zu  erreichen,  konnten  die  Verbände  und  die  Gaswirtschaft
  die  Einsetzung  einer  Regulierungsbehörde  und  den  mit  der  Liberalisierung
  im  Idealfall  einsetzenden  Wettbewerb  bis  2003  verhindern.
So  prognostizierte  beispielsweise  der  Bundesverband  der  Deutschen
Gas-  und  Wasserwirtschaft  (BGW)  bei  einer  Umsetzung  der  Liberalisierungspläne
  eher  steigende  Preise.  Versorgungsunternehmen,  die  mit
dem  Verlust  von  Kunden  rechnen  und  dementsprechend  auch  die
Konzessionsverträge  mit  kürzeren  Laufzeiten  ausstatten  müssten,
könnten  sich  an  die  ausländischen  Erdgaslieferanten  nur  noch  mittelfristig
  binden.  Risikozuschläge  seien  die  Folge.  Die  Aufhebung  von
Demarkationsverträgen  bedeute  darüber  hinaus  "von  heute  auf  morgen"
den  Wegfall  der  Grundlage  für  die  heutigen  Vertriebsstrukturen  der
deutschen  Erdgasversorgung.* 80  Selbst  das  Bundesministerium  favorisierte
  bis  zuletzt  die  „deutsche  Lösung“  des  verhandelten  Netzzugangs.
Auch  zwei  Verbändevereinbarungen,  die  der  BGW,  der  Verband  kommunaler
  Unternehmen  (VKU),  der  Verband  der  Industriellen  Energieund
  Kraftwirtschaft  (VIK)  sowie  der  Bundesverband  der  Deutschen
Industrie  (BDI)  nach  zähen  Verhandlungen  beschlossen  und  nur  unter
Fristsetzung  des  Bundeswirtschaftsministeriums  im  September  2001
beziehungsweise  April  2002  zustande  kamen,  stießen  auf  Kridk  der
Monopolkommission  und  von  unabhängigen  Anbietern.  Der  Netzzugang
  verhindere  nach  wie  vor  den  Wettbewerb.81  Von  der  Vereinbarung
  profitierten  allenfalls  Teile  der  Industrie  bis  hin  zu  kleineren  Un¬^9
  Frankfurter  Allgemeine  Ztg.  vom  15.5.1996:  Die  Gaswirtschaft  attackiert  Rexrodts
Liberalisierungspläne;  Frankfurter  Allgemeine  Ztg.  vom  23.9.1996:  Die  Gebietsmonopole
  der  Energieversorger  sollen  überwunden  werden;  Handelsblatt  vom  24.10.1996:
Branchen  fordern  angemessene  Übergangfristen;  Frankfurter  Allgemeine  Ztg.  vom
4.11.1996:  Gaswirtschaft  gegen  Zwangsvorschriften;  Frankfurter  Allgemeine  Ztg.  vom
10.12.1997:  Wettbewerb  auf  dem  Erdgas-Markt;  Frankfurter  Rundschau  vom
17.12.1997:  Wettbewerbshüter  drücken  überhöhte  Gaspreise
8^  Süddeutsche  Ztg.  vom  23.9.1999:  Preisbrecher  am  Erdgasmarkt;  Handelsblatt  vom
20.12.1999:  Verbände  streiten  um  Durchleitung  von  Erdgas;  Handelsblatt  vom
22.2.2001:  Gaswirtschaft  öffnet  ihre  Netze  freiwillig;  Saarbrücker  Ztg.  vom  2.3.2001:
Keine  Regelen  für  Gas-Wettbewerb

435
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.