Mitteleuropa beziehungsweise die EU setzen deshalb nicht nur alles
daran, den wachsenden Gasbedarf Europas und der Beitrittsländer zu
decken, die Gasbezüge stärker zu diversifizieren sowie das Pipelinenetz
auszubauen, sondern die Energiebeschaffung generell zum festen Bestandteil
der Außen-, Außenwirtschafts- und Sicherheitspolitik zu machen.
Eine große strategische Rolle spielen hierbei die Golfregion und
insbesondere der Iran, der über Erdgasreserven in einer Größenordnung
von etwa 23.000 Mrd. Kubikmeter verfügt. Damit besitzt das
Land nach Russland die zweitgrößten Reserven der Erde, trägt bislang
aber nur mit 2,6 Prozent zur weltweiten Gasförderung bei, da es keine
Pipeline gibt, durch die iranisches Gas nach Europa strömen könnte.
Bereits seit 2001 liefert der Iran zwar Erdgas in die Türkei. Eine Fortführung
dieser Leitung nach Europa ist zwar denkbar, doch eine Realisierung
dieses Vorhabens aufgrund der zahlreichen politischen Implikationen
derzeit noch ungewiss. Immerhin prüft der österreichische
Energiekonzern OMV gemeinsam mit bulgarischen, rumänischen, ungarischen
und türkischen Partnern den Bau einer Gaspipeline von Österreich
in die Türkei. „Das iranische Gasexportuntemehmen Nigec bekundete
bereits Interesse, über diesen Strang auch iranisches Gas nach Mitteleuropa zp exportieren.
Voraussetzung dafür: Die türkische Regierung die im Gaspoker eine
Zentrale Rolle spielt, müsste für die Sicherung der fasse im Kurdengebiet sorgen, die
US-Regierung ihre Sanktionen gegen Iran lockern“.60 Die Türkei und
Griechenland Unterzeichneten schon 2002 einen Vertrag zum Bau einer
Leitung zwischen Ankara und der nordgriechischen Stadt Komotini. In
einem nächsten Schritt sollen neben einer möglichen Trasse nach
Österreich auch die Gasnetze Griechenlands und Italiens miteinander
verbunden werden, weshalb auch die EU das Projekt unterstützt.
Weiterhin besteht aus Sicht der EU die Option, dass weitere Länder
Zentralasiens wie etwa Turkmenistan, aber auch Russland über diese
Trasse Gas nach Europa pumpen, wobei Turkmenistan über den Abschluss
eines 25-jährigen Liefervertrages mit der russischen Gazprom
seine energiepolitische Unabhängigkeit aufgeben musste. Gazprom und
die italienische Eni verlegten zusätzlich bereits für drei Mrd. Dollar eine
Gasleitung mit dem Namen „Blue Stream“ von Russland durch das
Schwarze Meer in die Türkei.
wichtiger; Die Welt vom 20.2.2004: Gazprom liefert wieder Gas nach Westen; Die
Welt vom 3.7.2004: Gazprom öffnet sich dem internationalen Markt; Frankfurter Allgemeine
Ztg. vom 20,8.2004: Gazprom-Untersuchung verunsichert ausländische Anleger
6(> Vorholz (2004)
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