Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Mitteleuropa  beziehungsweise  die  EU  setzen  deshalb  nicht  nur  alles
daran,  den  wachsenden  Gasbedarf  Europas  und  der  Beitrittsländer  zu
decken,  die  Gasbezüge  stärker  zu  diversifizieren  sowie  das  Pipelinenetz
auszubauen,  sondern  die  Energiebeschaffung  generell  zum  festen  Bestandteil
  der  Außen-,  Außenwirtschafts-  und  Sicherheitspolitik  zu  machen.
  Eine  große  strategische  Rolle  spielen  hierbei  die  Golfregion  und
insbesondere  der  Iran,  der  über  Erdgasreserven  in  einer  Größenordnung
  von  etwa  23.000  Mrd.  Kubikmeter  verfügt.  Damit  besitzt  das
Land  nach  Russland  die  zweitgrößten  Reserven  der  Erde,  trägt  bislang
aber  nur  mit  2,6  Prozent  zur  weltweiten  Gasförderung  bei,  da  es  keine
Pipeline  gibt,  durch  die  iranisches  Gas  nach  Europa  strömen  könnte.
Bereits  seit  2001  liefert  der  Iran  zwar  Erdgas  in  die  Türkei.  Eine  Fortführung
  dieser  Leitung  nach  Europa  ist  zwar  denkbar,  doch  eine  Realisierung
  dieses  Vorhabens  aufgrund  der  zahlreichen  politischen  Implikationen
  derzeit  noch  ungewiss.  Immerhin  prüft  der  österreichische
Energiekonzern  OMV  gemeinsam  mit  bulgarischen,  rumänischen,  ungarischen
  und  türkischen  Partnern  den  Bau  einer  Gaspipeline  von  Österreich
  in  die  Türkei.  „Das  iranische  Gasexportuntemehmen  Nigec  bekundete
bereits  Interesse,  über  diesen  Strang  auch  iranisches  Gas  nach  Mitteleuropa  zp  exportieren.
  Voraussetzung  dafür:  Die  türkische  Regierung  die  im  Gaspoker  eine
Zentrale  Rolle  spielt,  müsste  für  die  Sicherung  der  fasse  im  Kurdengebiet  sorgen,  die
US-Regierung  ihre  Sanktionen  gegen  Iran  lockern“.60  Die  Türkei  und
Griechenland  Unterzeichneten  schon  2002  einen  Vertrag  zum  Bau  einer
Leitung  zwischen  Ankara  und  der  nordgriechischen  Stadt  Komotini.  In
einem  nächsten  Schritt  sollen  neben  einer  möglichen  Trasse  nach
Österreich  auch  die  Gasnetze  Griechenlands  und  Italiens  miteinander
verbunden  werden,  weshalb  auch  die  EU  das  Projekt  unterstützt.
Weiterhin  besteht  aus  Sicht  der  EU  die  Option,  dass  weitere  Länder
Zentralasiens  wie  etwa  Turkmenistan,  aber  auch  Russland  über  diese
Trasse  Gas  nach  Europa  pumpen,  wobei  Turkmenistan  über  den  Abschluss
  eines  25-jährigen  Liefervertrages  mit  der  russischen  Gazprom
seine  energiepolitische  Unabhängigkeit  aufgeben  musste.  Gazprom  und
die  italienische  Eni  verlegten  zusätzlich  bereits  für  drei  Mrd.  Dollar  eine
Gasleitung  mit  dem  Namen  „Blue  Stream“  von  Russland  durch  das
Schwarze  Meer  in  die  Türkei.

wichtiger;  Die  Welt  vom  20.2.2004:  Gazprom  liefert  wieder  Gas  nach  Westen;  Die
Welt  vom  3.7.2004:  Gazprom  öffnet  sich  dem  internationalen  Markt;  Frankfurter  Allgemeine
  Ztg.  vom  20,8.2004:  Gazprom-Untersuchung  verunsichert  ausländische  Anleger

6(>  Vorholz  (2004)

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