Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

gere  Leitungstrassen;  schon  um  2020  gelten  sämtliche  im  LTmkreis  von
3.000 Kilometern  von  Mitteleuropa  liegenden  Gasquellen  quasi  als  erschöpft.
  Erfahrungen  wie  die  ursprünglich  für  2004  geplante,  aber  voraussichtlich
  frühestens  2008  realisierte  Inbetriebnahme  eines  Flüssiggaswerks
  von  BP  in  Indonesien  zeigen  zudem  welche  technischen  und
politischen  Schwierigkeiten  mit  der  Internationalisierung  der  Gasbeschaffung
  verbunden  sind.57
Vor  allem  Russland  soll  nach  heutigem  Stand  einen  Großteil  dieser
Nachfrage  decken,  weil  es  über  Reserven  von  34.000  Mrd.  Kubikmeter
Erdgas  verfügt.  Doch  neben  den  immensen  technischen,  finanziellen
und  geopolitischen  Problemen  treten  immense  ökologische  Schäden
auf:  „Die  Erschließung  der  Gas-  und  Ölvorkommen  ist  jedoch  wegen  der  extremen
Kälte  in  den  Tundra-Gebieten  äußerst  schmerig  und  gefährlich.  Wiederholt  kam  es
schweren  Unfällen  und  Havarien.  Durch  Hecks  in  Pipelines  wurden  Böden,
Flüsse  und  Seen  verseucht.  Nach  einem  Bericht  des  russischen  .Arbeitsministenums
aus  dem  fahr  1995  sind  in  diesen  Kegionen  100  Flüsse  so  verseucht,  dass  dort  nicht
mehr  gefischt  werden  kann,  und  elf  Millionen  Hektar  Kentier-Weideland  wurden
endgültig  vernichtet.  Fine  einzige  Probebohrung  auf  der  Jamal-Halbinsel  im  Norden
der  Kegion  verstörte  allein  40.000  Hektar  Weideland.  Und  durch  die  gewaltigen
Umweltprobleme  ist  auch  die  einheimische  Bevölkerung  —  hauptsächlich  Angehörige
der  indigenen  Nomaden  Ghanten,  Mansen,  Nennen  und  Selkupen,  die  vor  allem
von  Kentier^ucht  und  Fischerei  leben  —  in  ihrer  Hxisten^  bedroht.  Mit  den  Kentier-Weiden
  und  Fischgründen  wird  auch  ihre  Hebensgrundlage  gerstört“.58
Gerade  für  Westeuropa  birgt  diese  Zukunftsperspektive  die  Gefahr
wachsender  Importabhängigkeit  in  sich.  Während  die  bis  zum  Jahr
2020  vermutlich  auf  30  Mitgliedsländer  anwachsende  EU  ihren  Gasimport
  um  300  Mrd.  Kubikmeter  steigern  will,  sehen  die  Pläne  der  russischen
  Gaskonzerne  bislang  ein  Exportwachstum  in  die  EU  von  nur  31
Mrd.  Kubikmeter  vor.  Gleichrangig  will  Russland  die  Interessen  Japans,
Koreas,  Indiens,  Pakistans  und  Chinas  bedienen.  Auch  scheint  unklar,
ob  der  staatliche  Einfluss  in  den  russischen  Energieunternehmen  bis
hin  zur  Zerschlagung  von  Gazprom  zunehmen  wird  oder  eher  liberale
Kräfte  die  Oberhand  gewinnen.  Die  Energielieferungen  könnten  demgemäß
  u.U.  ein  politisches  Faustpfand  bilden.59

Financial  Times  Deutschland  vom  31.8.2004:  BP-Gasförderung  in  Indonesien
droht  zu  scheitern
^  Parusel  (1999)
^  Brendow  (2000),  S.  7;  Pleines  (2000),  S.  8;  Handelsblatt  vom  11.6.2001:  Russlands
Gasmarkt  soll  liberalisiert  werden;  Handelsblatt  vom  26.9.2003:  Gazprom  droht  die
Zerschlagung;  Die  Welt  vom  14.10.2003:  Russland  wird  als  lürdgaslieferant  noch

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