Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

So  wie  sich  auf  der  Nachfrageseite  Einkaufskonsortien  herausbildeten,
kam  es  auf  der  Angebotsseite  zur  Kooperation  der  Erdgasproduzenten
in  Verkaufskonsortien,  weil  sich  insbesondere  im  norwegischen  Ekofisk-
  und  Torfeld  die  Erdgasvorkommen  auf  zahlreiche  Einzelförderstätten
  mit  unterschiedlichen  Anteilseignern  verteilten.  Den  Vertrag
zwischen  Ruhrgas  und  den  norwegischen  Produzenten  von  1973
schloss  beispielsweise  das  Ekofisk-Konsortium  ab,  zu  dem  über  Tochtergesellschaften
  die  amerikanische  Phillips  Petroleum  Co.,  die  belgische
  Petrofina  S.A.,  die  italienische  Agip  S.p.A.  sowie  Unternehmen  der
französisch-norwegischen  Petronord-Gruppe  gehörten.45  Seit  1973  kam
es  mit  Norwegen  zu  insgesamt  neun  Lieferverträgen,  wobei  der  Vertrag
von  1990  mit  einem  Gesamtbezug  von  13  Mrd.  Kubikmeter  eine  Laufzeit
  bis  zum  Jahre  2020  umfasst.46
Entsprechend  der  Produzenten-  und  Käuferebene  bildeten  sich  auch
im  Bereich  der  Leitungseinrichtungen  Transportkonsortien  heraus.  Da
die  Transportanlagen  immer  größere  Distanzen  überwinden  müssen
und  infolge  der  hohen  Lieferkontraktionen  sehr  große  Dimensionen
aufweisen,  übersteigen  sie  i.d.R.  den  finanziellen  Spielraum  einer  einzelnen
  Erdgasgesellschaft.  Die  Transportkonsortien  sollen  auch  hier
das  finanzielle  Risiko  auf  mehrere  Schultern  verteilen.  Die  erste  derartige
  Konstruktion  kam  1971  im  Zusammenhang  mit  niederländischen
Erdgasimporten  zustande.  Da  auch  Italien  beabsichtigte,  Erdgas  aus
den  Niederlanden  zu  beziehen,  schlossen  sich  die  Ruhrgas  AG  und  die
italienische  SNAM  P.p.A.  zur  Trans  Europa  Naturgas  Pipeline  GmbH
(TENP)  zusammen.  Diese  errichtete  eine  etwa  550  Kilometer  lange
Erdgasleitung  von  Aachen  bis  zur  deutsch-schweizerischen  Grenze  bei
Rheinfelden.47  Einen  ähnlichen  Zweck  verfolgte  die  Mittel-Europäische-Gasleitungsgesellschaft
  mbH  (MEGAL),  die  die  Ruhrgas  AG  und
die  Gaz  de  France  1976  mit  einem  Stammkapital  von  40  Mio.  DM  gemeinsam
  einrichteten.  Sie  baute  und  betreibt  die  wichtigste  Ost-West-Magistrale
  von  der  deutsch-tschechischen  Grenze  bei  Waidhaus  bis
nach  Medelsheim  an  der  deutsch-französischen  Grenze  im  Saarland
einschließlich  einer  Anschlussleitung  zur  deutsch-österreichischen

45  GWF-gas/erdgas,  114.  Jg.  (1973),  Heft  3,  S.  149;  GWF-gas/erdgas,  114.  Jg.  (1973),
Heft  8,  S.  413;  Siegmund  (1974),  S.  248
46  GWF-gas/erdgas,  124.  Jg.  (1983),  Heft  12:  Erdgas  aus  dem  norwegischen  Vallhall-Feld;
  GWF-gas/erdgas,  127.  jg.  (1986),  Heft  1,  S.  51;  GWF-gas/erdgas,  132.  Jg.
(1991),  Nr.  1,  S.  50  f.;  Enselmg  (1993);  S.  476;  GWF,  134.  Jg.  (1993)  Nr.  9,  S.  508  f.;
Schiffer  (1994),  S.  114  f.;  Ruhrgas  (1994),  S.  26
47  Ruhrgas  (1994),  S.  7

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