Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Alleinandienungsrecht  in  der  Bundesrepublik  zu  verfügen,  in  seinem
ganzen  Ausmaß  bemerkbar.25
Mit  dem  Scheitern  des  Liefervertrages  verschärfte  sich  für  die  SFG  das
Problem  einer  drohenden  Deckungslücke  ihrer  Gasbeschaffung.  Alleine
  im  Verlaufe  des  Jahres  1967  verzeichnete  das  saarländische  Ferngasunternehmen
  eine  Zuwachsrate  von  rund  zehn  Prozent.  Zwar  erweiterte
  es  die  Erzeugungskapazitäten  der  Leichtbenzin-Spaltanlage  in
Frankenthal  und  erhöhte  die  Bezugsmengen  aus  der  Raffinerie  in
Speyer,  doch  konnten  solche  Maßnahmen  nur  noch  vorübergehende
Entlastung  bringen.26
Ob  die  SFG  wollte  oder  nicht,  nun  führte  kein  Weg  mehr  an  einem
Bezugsvertrag  mit  der  Ruhrgas  vorbei.  Der  Vertrag  aus  dem  Jahr  1967
über  600  Mio.  Kubikmeter  Erdgas  und  eine  Option  auf  zusätzlich  300
Mio.  Kubikmeter  sollte  jedoch  zunächst  nur  industriellen  Großverbrauchern
  wie  der  BASF  Vorbehalten  bleiben,  um  diese  als  Kunden
nicht  zu  verlieren.  Das  Ludwigshafener  Chemieunternehmen  kontrahierte
  noch  im  gleichen  Jahr  eine  Jahresmenge  von  500  Mio.  Kubikmeter.
  Andere  Industriekunden  in  Ludwigshafen,  Kaiserslautern,  Frankenthal
  und  Homburg  sollten  erst  nach  und  nach  an  das  Erdgasnetz
angeschlossen  werden.2  Demgegenüber  sollte  eine  Erdgasversorgung
der  Haushaltskunden  im  Saarland  erst  später  erfolgen,  was  nicht  zuletzt
damit  zusammenhing,  dass  auch  die  Vertreter  der  Öffentlichen  Hand
aus  regionalwirtschaftlichen  Überlegungen  für  eine  Beibehaltung  der
Kokereigasversorgung  plädierten.  Der  Ausbau  der  Erdgasversorgung
sollte  sich  vielmehr  nach  den  verfügbaren  Kokereigasmengen  richten.28
In  der  Pfalz  dagegen  begannen  noch  1970  die  Umstellungsmaßnahmen
entlang  der  beiden  Fernleitungen  zwischen  Ludwigshafen  und  Homburg.
  Da  man  dort  in  der  Vergangenheit  mit  dem  Kokereigas  nicht
immer  positive  Erfahrungen  gemacht  hatte,  und  die  arbeitsmarkt-  und
regionalpolitischen  Implikationen  der  Kokereigasversorgung  hinter
energiepolitischen  Gesichtspunkten  zurückstanden,  verlief  die  Erdgas-25

  Nach  Angaben  eines  ehemaligen  Vorstandsmitgliedes  lag  der  SFG  1967  ein  unterschriftsreifer
  Vertrag  mit  der  NAM  vor,  der  jedoch  am  Widerstand  der  Vertreter  der
Hütten  und  Gruben  im  Aufsichtsrat  der  SFG  scheiterte.
26  SFG  GB  (1965),  S.  7;  Saarländische  Landesztg.  vom  20.12.1967:  Kohlengas  wird
nicht  verdrängt;  Bau-Anzeiger,  22.  Jg.  (1969)  Nr.  4,  S.  38  f.:  Saar-Ferngas  zwischen
Erzeugung  und  Verbrauch
27  SFG  GB  (1967),  S.  11
28  Saarbrücker  Ztg.  vom  8.1.1969:  Kein  Erdgas  für  Saarbrücken;  SFG  GB  (1969),  S.
9;  G  WF  -  Gas  /  Erdgas,  111.  Jg.  (1970),  Heft  5,  S.  287

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