Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

der  Saarbergwerke  in  Völklingen-Fürstenhausen,  die  nach  langwierigen
Protesten  von  Seiten  der  Bevölkerung  erst  1961  erfolgen  konnte,  verstärkte
  noch  die  Vormachtstellung  des  Saarbergbaus  in  der  Gasandienung,
  Alleine  aus  dieser  Anlage  standen  der  SFG  jährlich  etwa  200  Mio.
Kubikmeter  Kokereigas  zur  Verfügung,  etwa  20  Prozent  des  damaligen
Absatzes.21  Die  übrigen  Diversifizierungen  blieben  mehr  oder  weniger
Makulatur.  Zwar  nahm  die  SFG  in  Folge  der  steigenden  Nachfrage
1964  in  Frankenthal  eine  Spitzengasanlage  auf  der  Basis  von  Leichtbenzin
  mit  einer  Tageskapazität  von  über  500.000  Kubikmeter  in  Betrieb
  und  schloss  1963  -  zusammen  mit  der  Gas-Union  in  Frankfurt
und  der  GVS  -  einen  Vertrag  mit  der  französischen  Erdölgesellschaft
„Union  Générale  des  Pétroles“  über  den  Bezug  von  Spaltgas  aus  einer
Raffinerie  in  Speyer  ab,  doch  änderten  diese  Zusatzbezüge  an  der  prinzipiellen
  Vormachtstellung  des  Kokereigases  nichts.22  Erst  als  das
Neunkircher  Eisenwerk  als  größter  Kokereigaserzeuger  der  Hüttengruppe
  zum  1.  Dezember  1967  seine  Lieferungen  einstellte  und  seinen
Wärmebetrieb  auf  Grubengas  umstellte,  sah  sich  die  SFG  gezwungen,
erstmals  ernsthaft  über  den  Einsatz  von  Erdgas  nachzudenken.23
Während  sich  jedoch  TGAG  und  Ruhrgas  schon  1965  in  den  Niederlanden
  Erdgasmengen  gesichert  hatten,  nahm  die  SFG  erst  1965  Kontakt
  mit  der  holländischen  Exportgesellschaft  auf.  1967  wurden  die
Verhandlungen  ergebnislos  abgebrochen.  Die  angeforderten  Erdgasmengen
  -  so  die  offizielle  Version  -  blieben  so  gering,  dass  die  NAM
keinen  Liefervertrag  abschließen  wollte.24  Jetzt  machte  sich  der  strategische
  Schachzug  der  RAG,  die  süddeutschen  Ferngasunternehmen  vom
Direktbezug  holländischen  Erdgases  auszuschließen  und  damit  über  ein

Vgl.  Tine  (1958),  S.  36;  GW  99.  Jg.  (1958),  Heft  15,  S.  353;  Deutsche  Saar  vom
25.4.1958:  Die  Entwicklung  zur  Gasfernversorgung  Saar;  GWF,  99.  Jg.  (1958),  Heft
25,  S.  617;  GW,  99.  Jg.  (1958),  Heft  27,  S.  674
22  GW,  104.  Jg.  (1963),  Heft  27,  S.  785;  ET,  13.  Jg.  (1963),  Heft  113,  S.  185;  Saarbrücker
  Ztg.  vom  18.11.1963:  Vermittlerrolle  der  Saar-Ferngas;  Saarbrücker  Ztg.  vom
19,11.1963:  Ab  1964  auch  Spaltgas  im  Netz  der  Saar-Ferngas  AG
23  Weber  (1966),  S.  922;  SFG  GB  (1967),  S.  11;  Saarbrücker  Ztg.  vom  15./16.7.1967:
Endlich  wieder  Land  in  Sicht;  zur  Überbrückung  von  Lieferengpässen  nahm  die  SFG
darüber  hinaus  die  schon  stillgelegte  Kokerei  Reden  wieder  in  Betrieb;  vgl.  Schroeder
(1966),  S.  47  ff.;  SFG  GB  (1968),  S.  6
2^  ET,  16.  Jg.  (1966),  Heft  Nr.  153,  S.  220:  Saarferngas  will  Gas  aus  Holland;  Saarbrücker
  Ztg.  vom  2.3.1967:  Kohle  oder  Ölbasis?

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