Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

weiterhin  geltend  zu  machen  und  Anteilseigner  zu  bleiben.  Denn,  so
der  Syndikus  des  Landkreises  Saarbrücken  und  Mitglied  des  Aufsichtsrats
  Ernst  Böhmer,  es  "'müsse  überdacht  werden,  ob  die  SFG  sich  mit  dem  Kokereigas
  identisch  machen  dürfe.  Wenn  die  Erwartungen,  die  an  das  Eirdgas  geknüpft
  werden,  nur  ^um  Teil  sich  realisieren  lassen,  insbesondere  die  SEG  in  das
Erdgasgeschäft  kommen  kann,  dann  glaube  ich,  dass  die  Kommunen  eine  bedeutsame
  Aufgabe  in  der  SFG  behalten,  nämlich  dafür  gu  sorgen,  dass  künftig  nicht
das  teure  Kokereigas,  sondern  das  billige  Erdgas  den  I  orrang  bei  der  Bildung  eines
tragbaren  Mischpreises  erhält"M
Auch  hatte  die  Öffentliche  Hand  die  Hoffnung  nicht  aufgegeben,  endlich
  in  den  Genuss  von  Gewinnausschüttungen  zu  kommen.  Die  Erfolge
  der  beiden  Geschäftsjahre  1959/60  und  1961,  in  denen  das  saarländische
  Ferngasunternehmen  Gewinne  verzeichnen  konnte,  erwiesen
sich  jedoch  als  nur  vorübergehender  Natur.  Zwischen  1962  und  1970
erwirtschaftete  die  SFG  mit  zwei  Ausnahmen  nur  Defizite.  Zwar
konnte  sie  von  1959  bis  1971  den  Gasabsatz  mehr  als  verdoppeln,  doch
blieb  die  Absatzentwicklung  im  Vergleich  mit  anderen  Ferngasunternehmen
  deutlich  zurück.  Die  RAG  konnte  alleine  zwischen  1966
und  1970  ihre  Gasabgabe  annähernd  verdreifachen,  die  TG  AG  fast
vervierfachen.  Die  Gründe  lagen  auf  der  Hand:  Während  sich  die  beiden
  westdeutschen  Unternehmen  über  das  Erdgas  neue  Absatzbereiche
sichern  konnten  und  in  der  Lage  waren,  nicht  zuletzt  auch  durch
flexiblere  Preise  dem  Heizöl  und  der  Elektrizität  erfolgreich  Paroli  zu
bieten,  beruhten  die  Absatzsteigerungen  der  SFG  zum  großen  Teil  aus
dem  Neuanschluss  einiger  Städte  in  Rheinland-Pfalz  (Idar-Oberstein
1962;  Trier  1964;  Bad  Kreuznach  1964;  Kusel  1964;  Pirmasens  1965)
sowie  in  Nordbayern.* 20  Zugleich  gingen  die  Verbrauchssteigerungen
nicht  einher  mit  entsprechenden  Zuwächsen  der  Umsatzerlöse.  1967
nahm  beispielsweise  die  Gasabgabe  um  11,3  Prozent,  die  Umsätze  derweil
  nur  um  fünf  Prozent  zu.  Konnte  die  SFG  1960  pro  verkauftem
Kubikmeter  Gas  noch  einen  Erlös  von  12,4  Pfg.  erwirtschaften,  lagen
die  entsprechenden  Werte  1970  bei  nur  noch  6,37  Pfg.

A  Stadtverband  Sbr.  K  III  8  1  3/05:  Neuordnung  der  SFG  vom  23.11.1959;  vgl.
auch  die  spätere  Diskussion:  Saarbrücker  Ztg.  vom  2.3.1967:  Kohle-  oder  Ölbasis?
20  Saarbrücker  Ztg.  vom  22.12.1961:  "Die  Saar  ist  auch  dabei";  ET,  12.  Jg.  (1962),
Heft  103;  S.  161  f.;  GWF,  104.  Jg.  (1963),  Heft  1,  S.  28;  Saarbrücker  Ztg.  vom
5.7.1963:  Stadt  Trier  wird  mit  Saar-Ferngas  versorgt;  ET,  13.  Jg.  (1963),  Heft  114/115,
S.  251;  GWF,  105.  Jg.  (1964),  Heft  7,  S.  182;  Stadtwerke  Pirmasens  (1999),  S.  20  f,

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