Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

jährlich  an  das  Duisburger  Unternehmen  und  von.  drei  Mrd.  Kubikmeter
  an  das  Essener  Unternehmen  bereit.18
Mit  dieser  wechselseitigen  Vereinbarung  stand  die  bis  Ende  der  90er-Jahre
  bestehende  Arbeitsteilung  in  der  deutschen  Gaswirtschaft  im  Wesentlichen
  fest.  Lediglich  der  Gas-Union  gelang  als  kleinem  Regionalversorger
  1966  ein  Direktabschluß  mit  der  NAM.  Hingegen  blieben  die
großen  Versorgungsunternehmen  in  Süd-  und  Südwestdeutschland
vom  Direktbezug  niederländischen  Erdgases  ausgeschlossen.  Die  GVS
beispielsweise  mußte  1968  einen  Liefervertrag  mit  der  RAG  abschließen.
  Obwohl  die  Gas-Union  über  einen  Direktvertrag  mit  dem
holländischen  Erdgaslieferanten  verfügte,  besaß  sie  als  Regionalversorger
  nicht  den  finanziellen  Spielraum,  eine  eigene  Transportleitung  von
der  holländischen  Grenze  aus  zu  errichten.  Sie  blieb  vollständig  auf  die
Einrichtungen  der  Deutsche  Erdgas  Transport  Gesellschaft  und  somit
letztlich  der  RAG  angewiesen.  Zudem  reichte  die  ausgehandelte  Bezugsmenge
  von  1,1  Mrd.  Kubikmeter  nicht  aus,  um  den  steigenden
Gasbedarf  in  Hessen  zu  befriedigen.  Auch  die  Gas-Union  mußte  deshalb
  1968  einen  Liefervertrag  mit  der  RAG  abschließen.
Schon  im  Zuge  der  Erdgaslieferungen  aus  den  Niederlanden  gelang  es
der  Ruhrgas,  die  übrigen  Regionalgesellschaften  von  dem  Direktbezug
holländischen  Erdgases  auszuschließen.  Für  diese  führte  deshalb  kein
Weg  daran  vorbei,  Lieferverträge  mit  dem  Essener  Unternehmen  einzugehen
  und  dieses  an  ihrem  Aktien-  bzw.  Gesellschaftskapital  zu
beteiligen.

2.  Saar-Ferngas  zwischen  Kokereigaserzeugern  und  Erdgaslieferanten

Konzentrierten  sich  die  Auseinandersetzungen  zwischen  Kokereigasproduzenten
  und  Öffentlicher  Hand  in  den  50er-Jahren  vor  allem  auf
die  Preispolitik  der  SFG,  und  stand  Ende  der  50er-Jahre  zeitweise  sogar
der  Rückzug  der  Städte  und  Gemeinden  aus  dem  Regionalunternehmen
zur  Disposition,  gab  nicht  zuletzt  die  strategische  Überlegung,  den
Umbau  der  SFG  von  einem  Kokereigasverteiler  zu  einem  modernen,
d.h.  auch  mit  Erdgas  operierenden,  Versorgungsunternehmen  voranzubringen,
  für  die  Öffentliche  Hand  den  Ausschlag,  ihren  Einfluss  auch

18 Göpner  (1964),  S.  275;  GWF,  107.  Jg.  (1966),  Heft  1;  GWF,  107.  Jg.  (1966),  Heft
37,  S.  1067  f.;  Ruhrgas  (1994),  S.  6;  Thyssengas  (1981),  S.  9  ff.

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