Algerien als verläßlicher Verhandlungspartner, zudem garantierte die
unmittelbare Nachbarschaft zu Holland, dass nicht hohe Transportkosten
die Erdgaspreise belasteten. Anfangs bemühten sich die fünf
größten deutschen Ferngasunternehmen, Gasunion GmbH, GVS,
RAG, TGW und SFG getrennt um Lieferabschlüsse mit der NAM. Lediglich
der Bau einer Erdgasleitung zwischen Emmerich an der
deutsch-holländischen Grenze und Süddeutschland sollte in Gemeinschaftsregie
erfolgen. Die NAM beanspruchte zunächst eine 25-prozentige
Beteiligung an der bundesdeutschen Erdgasleitung. Offensichtlich
plante sie, die Transportleitung über Süddeutschland nach Österreich,
der Schweiz und Italien zu verlängern. Die beiden größten deutschen
Ferngasunternehmen, RAG und TGW, wollten jedoch eine bilaterale
Lösung unter Dominanz der internationalen Mineralölindustrie
verhindern, sie gründeten noch 1965 gemeinsam die "Niederrheinische
Erdgastransport Gesellschaft mbH" (NETG). Um ein Monopol auf die
Belieferung mit niederländischem Erdgas abzusichern und insbesondere
die süddeutschen Gasgesellschaften von dem Direktbezug von
niederländischem Erdgas - Vorverträge zwischen der Gas-Union und
der GVS mit der NAM waren bereits abgeschlossen - auszuschließen,
erklärten sich die beiden westdeutschen Ferngasunternehmen zu einer
Erhöhung ihres Stammkapitals unter gleichzeitigen weitgehenden Beteiligung
der beiden Hauptaktionäre der NAM, der Royal Dutch/Shellund
der Exxon/Esso-Gruppe, bereit. Da diese Mineralölgesellschaften
über die Gewerkschaft Elwerath (Shell AG, Esso AG, Wintershall AG)
und die Gewerkschaft Brigitta (Shell AG, Esso AG) zusammen mit der
"Bayerische Mineral Industrie AG (Mobil Oil AG) sowie der Wintershall
AG zudem drei Viertel der inländischen Erdgasförderung kontrollierten,
besaßen sie gleich in doppelter Hinsicht ein Interesse, die
Geschäftspolitik der Gasversorgungsunternehmen mitzugestalten. Diesen
ging es umgekehrt darum, durch die Einbindung der sehr kapitalkräftigen
Mineralölwirtschaft die finanziellen Weichenstellungen für
eine weitere Expansion zu erlangen und zugleich, und dies war mindestens
genauso wichtig, günstige Lieferkonditionen aushandeln zu
können. Die TGW gaben bereits 1965 im Rahmen ihrer Umformierung
zur Thvssengas AG (TGAG) 50 Prozent des Aktienkapitals an Exxon
und Shell ab, über die Gewerkschaft Brigitta beteiligten sich die beiden
Mineralölkonzerne im darauffolgenden Jahr auch an der RAG. Im Gegenzug
erklärte sich die NAM zur Lieferung von vier Mrd. Kubikmeter
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