Als erstes westeuropäisches Land entschied sich Großbritannien im
Jahre 1961 zum Bezug von Saharagas. Nach einem Fünfzehnjahresplan
sollte diese Quelle ab 1964 ein Zehntel des Gasbedarfs in England decken.
Das Gas wurde über zwei Tanker nach England verbracht, die
jeweils über eine Kapazität von 12.000 Tonnen Flüssiggas verfügten.
Frankreich nahm Ende 1964 die Erdgastransporte ebenfalls über Methantanker
auf, die Ausfuhren nach Spanien begannen 1970.16
Hingegen nahm die Bundesrepublik, die sich Anfang der 60er-Jahren
über das Bundeswirtschaftsministerium in die Verhandlungen mit der
algerischen Erdgasgesellschaft einschaltete, zunächst Abstand von
möglichen Lieferverträgen. Zum einen wäre die Verlegung einer
Transportleitung durch das Mittelmeer bis nach Deutschland mit
Kosten von mindestens vier Mrd. DM verbunden gewesen, zum anderen
erschwerte die unsichere politische Situation in Algerien verbindliche
Vereinbarungen. Schließlich konzentrierten sich die Bemühungen
der bundesdeutschen Ferngasunternehmen seit Anfang der 60er Jahre
schwerpunktmäßig auf die Niederlande.
Dort wurden 1960 in der Nähe von Schlochteren in der Provinz Groningen
Erdgasvorkommen in einer Tiefe von 3.000 Meter entdeckt.
Anfangs schätzten Geologen die Vorräte auf nur ca. 60 Mrd. Kubikmeter,
sodass die Mengen für den Export kaum ausgereicht hätten.
Weitere Untersuchungen ergaben aber, dass die Reserven mindestens
1.500 Mrd. Kubikmeter bei einem Heizwert von knapp 8.000 kcal betrugen,
und es sich bei Schlochteren somit um das zweitgrößte Erdgasfeld
der Erde handelte. Die Konzessionen zur Gewinnung des Erdgases
lagen - ebenso wie für Erdöl - bei der N.V. Nederlandse Aardoüe-Maatschappij
(NAM), einem Tochterunternehmen von Royal
Dutch/Shell und Esso. Jedoch mußte die NAM 40 Prozent der Konzessionen
für das Erdgasfeld an die niederländischen Staatszechen abgeben.
Da der Inlandsabsatz für Erdgas in den Niederlanden allenfalls
15 Mrd. Kubikmeter pro Jahr betrug, sollte mindestens die gleiche
Menge für den Export freigegeben werden.1'
Vor allem die Bundesrepublik zeigte großes Interesse an einem Import
von niederländischem Erdgas. Das Nachbarland galt im Gegensatz zu
16 GWF, 103. Jg. (1962), Heft 1, S. 18 f.; GWF, 103. )g. (1962), Heft 47, S. 1282;
GWF, 105. Jg. (1964), Heft 19, S. 530 f.; GWF, 107. Jg. (1966), Heft 31, S. 882; 1996
wurde die Mittelmeer-Pipeline zwischen dem spanischen Festland und Algerien tatsächlich
fertiggestellt.
17 GWF, 105. Jg. (1964), Heft 33, S. 910; GWF, 107. Jg. (1966), Heft 9, S. 234: Das
niederländische Erdgas; Fitz (1968), S. 9
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