Obwohl das inländische Erdgas Mitte der 60er-jahre schon mit etwa
zehn Prozent zum Gasabsatz beitrug, reichte es bei weitem nicht aus,
der steigenden Nachfrage zu begegnen. Konnte die Bundesrepublik
aber bis in die 60er-]ahre die steigende Gasnachfrage im großen und
ganzen wenigstens auf der Grundlage einheimischer Kohlenvorräte und
Erdgasvorkommen sowie von Nebenprodukten aus der Rohöldestillation
befriedigen, ergab sich für andere westeuropäische Länder infolge
ihres Mangels an einheimischen Energievorräten sehr viel stärker die
Notwendigkeit, ausländische Gasvorkommen zur Deckung ihres Bedarfs
heranzuziehen.
Die gesamte westeuropäische Gaswirtschaft, besonders aber Frankreich,
das seit den 50er-jahren unter einem erheblichen Gasmangel litt,
setzten von daher große Hoffnungen auf die algerischen Erdgasvorkommen,
welche in den 50er-Jahre entdeckt wurden.13 im Zuge von
Explorationsarbeiten nach Erdöl sdeßen Fördergesellschaften in Hassi
Messaoud und Hassi R'Mel in der Sahara auf zwei Erdgaslagerstätten,
die auf jährliche Gewinnungsmöglichkeiten von mindestens vier Mrd.
Kubikmeter schließen ließen. Die Gesamtreserven wurden auf rd. 2.600
Mrd. Kubikmeter geschätzt. Diese Mengen konnten selbst bei hohen
inländischen Verbrauchszuwächsen nicht in Algerien abgesetzt werden,
sie waren für den Export bestimmt. Da sich die Lagerstätten jedoch in
einer Entfernung von über 500 Kilometer von der Mittelmeerküste befanden,
musste mit hohen Transportkosten gerechnet werden. Erst bei
einer hohen Tagesabnahme von ca. drei Mio. Kubikmeter hätten die
Transportkosten so gesenkt werden können, dass das Erdgas in Europa
konkurrenzfähige Preise erzielt hätte. Ein zusätzliches Problem bildete
der Transport des Saharagases nach Europa. Als Alternativen kamen
ursprünglich der Transport des Energieträgers in Form von Elektrizität,
durch eine Unterwasserpipeline sowie der Transport von verflüssigtem
Gas in speziellen Methan-Schiffen in Betracht.14 Zur besseren Abschätzung
der Absatzmöglichkeiten algerischen Erdgases in Europa,
gründeten die Gaz de France und eine algerische Verkaufsgesellschaft
1960 eine eigene Studiengesellschaft.15
13 GWF, 92. Jg. (1951), Heft 23, S. 341: Die französische Gasindustrie im Jahre 1950;
GWF, 93. Jg. (1952), Heft 11, S. 334
14 FT, 9. Jg. (1959/60), Heft 75, S. 81: Saharagas für die europäische Wirtschaft; Rerolle
(1962), S. 861
13 ET, 9. Jg. (1959/60), Heft 78/79, S. 205: Umsturz in der Energieversorgung? Das
Saharagas ante portas; GWF, 101. Jg. (1960), Heft 35, S. 897
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