der Gesellschaft bei und wurde im folgenden Jahr über das Leitungsnetz
mit Spaltgas aus der Erdölraffinerie Neustadt versorgt.11
Eine andere Lösung wurde in Nordbayern gefunden. Aus industriepolitischen
Überlegungen zeigte das bayerische Wirtschaftsministerium
großes Interesse, den Standortnachteil Nordbayerns abzubauen. Da
sich die Gaserzeugung in dieser Region bis in die 60er-Jahre auf 15
Werke verteilte, und hohe Frachtkosten für die Kohle anfielen, lagen
die Gaspreise in Nordbayern etwa fünf Pfg. über den vergleichbaren
Preisen von Kommunen in der Nähe der Ruhrkokereien. Zudem
heizten verschiedene Industriebetriebe wie etwa die Metallindustrie
Schweinfurts oder viele Porzellan- und Glasfabriken mit selbsterzeugtem
Gas aus Braun- und Steinkohle. Diese Gase konnten aber i.d.R. in
Hinblick auf ihre Brennstoffeigenschaften lange nicht dem Stadt- oder
Ferngas standhalten. Um diese Versorgungsschwächen zu beheben,
schlossen sich 1962 die Luitpold-Hütte AG in Amberg (20 %), die
RAG und die SFG (je 40 %) zur "Ferngas Nordbayern GmbH" zusammen.
Nachdem sich sämtliche kommunalen Gaswerke mit einer
Gesamterzeugung von ca. 100 Mio. Kubikmeter jährlich bereit erklärten,
ihre Anlagen stillzulegen, errichtete die neu gegründete Gesellschaft
eine 320 Kilometer lange Leitung von Darmstadt in den Raum
Markdrewitz. Das 86 Mio. DM teure Projekt wurde mit Mitteln des
Landes Bayern (11 Mio.) und langfristigen Darlehen des Bundes aus
Mitteln der Mineralölsteuer (45 Mio.) gefördert. Den Rest teilten sich
die beteiligten Firmen. Die Leitung ging 1965 in Betrieb.12
Mit der Gründung der "Ferngas Nordbayern GmbH" ist Mitte der 60er
Jahre die Demarkation der westdeutschen Gasversorgungsgebiete abgeschlossen.
Neben den beiden bayerischen Gesellschaften, einer baden-württembergischen
Gesellschaft, der linksrheinischen SFG, der
Ferngas Salzgitter AG, beherrschen die westdeutschen Firmen, RAG
und TGW, den Gassektor. Die Gründung regionaler Gasgesellschaften
in Hessen und Süddeutschland unter weitestgehender Kontrolle der
Öffentlichen Hand bildete den letztlich hilflosen Versuch der kommunalen
Seite, der Marktmacht der privaten Ferngasversorgern eine regionale
Gegenmacht entgegenzustellen.
11 Siegmund (1965), S. 21; SWR (1981), S. 14
12 Vgl. Segelken (1962), S. 6 ET, 12. Jg. (1962), Heft 103, S. 161 f.: Die Ferngasversorgung
Nordbayerns; GWF, 103. Jg. (1962), Heft 41, S. 1110; Saarbrücker Ztg. vom
22.12.1961: "Die Saar ist auch dabei"
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