Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

heizung  umrüste.  Bei  gleicher  Gelegenheit  räumte  der  saarländische
Wirtschaftsminister  Huthmacher  ein,  dass  die  SFG  in  bestimmten  Fällen
  Preise  anbieten  müsse,  die  unter  dem  Normalpreis  liegen:  "Zu  solchen
Zugeständnissen  sei  aber  möglicherweise  der  I'orstand  nicht  in  der  "Lage,  wenn  er  für
solche  Fälle  nicht  von  dem  Lrgeugerverband  einen  Einstandspreis  gugestanden
erhalte,  der  ihm  einen  solchen  Kampfpreis  ermögliche"Fn
Weiterhin  blockierten  sich  die  Vertreter  der  beiden  wichtigsten  Aktionärsgruppen
  sowohl  im  Aufsichtsrat  als  auch  im  Vorstand.  Die  Erzeuger
  argumentierten,  als  mehrheitlich  öffentliches  Unternehmen  sei  die
SFG  nicht  gegründet,  Gewinne  zu  erwirtschaften,  sondern  vor  allem
billige  Gasverkaufspreise  zu  garantieren.* 392  In  dieser  Situation  brachte
Wirtschaftsminister  Huthmacher  den  Rückzug  der  Öffentlichen  Hand
aus  der  SFG  ins  Spiel.  Das  Beispiel  der  Ruhrgas  AG  mit  ihren  alleine
aus  der  Erzeugerseite  bestehenden  Aktionären  zeige,  dass  sich  die  Gasproduzenten
  dort  mit  billigen  Abgabepreisen  begnügten  und  ihre  Rendite
  über  die  Dividende  bezögen.  "Damit  sei  die  Haltung  der  Saargas-Ergeuger
  auch  verständlich  gemacht,  die  die  gleiche  Uösung  angustreben  scheinen,  wie
sie  an  der  Fuhr  besteht.  Es  sei  nicht  ausgeschlossen,  sogar  sehr  wahrscheinlich,  daß
der  Gaspreis  an  der  Saar  auch  pur  die  Letgtverbraucher  billiger  werde,  wenn  die
Saar-Ferngas  AG  gang  oder  mehrheitlich  den  Erzeugern  gehöre.  Damit  sei  das
Problem  angesprochen,  ob  die  Kommunen  nicht  ihren  Anteil  gu  einem  guten  Preis
an  die  Erzeuger  abgeben  wollen  V393  Darüber  hinaus  beabsichtige  vor  allem
der  Saarbergbau  angesichts  der  Kohlenkrise  seine  Absatzprobleme  über
den  Export  der  Energieträger  Strom  und  Gas  nach  Süddeutschland  zu
lösen,  womit  hohe  Investitionsaufwendungen  für  den  Leitungsbau
verbunden  seien:  "Damit  stelle  und  beantworte  sich  die  Frage,  ob  das  noch  ein
Anliegen  der  Kommunen  an  der  Saar  sein  kann.  (...)  Bei  dieser  Lage  dränge  sich
die  Frage  auf,  ob  es  nicht  angegeigt  sei,  sich  Gedanken  über  eine  Abgabe  und  über
einen  Abgabepreis  der  Anteile  der  öffentlichen  Hand  Saar  gu  machen.  Jetgt  sei  das
Interesse  der  Ergeuger  an  einer  solchen  Lösung  so  groß,  daß  sie  sicher  bereit  seien,
einen  angemessenen,  der  bisherigen  Zinslosigkeit  Kechnung  tragenden  Übernahmepreis
  gu  gahlen"’.394
Die  mögliche  Auflösung  der  SFG  und  die  Umwandlung  in  eine  reine
Erzeugergesellschaft  blieb  ein  reines  Gedankenspiel.  Gelang  es  der  Öffentlichen
  Hand  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  zwar  nicht,  Einkaufs-  und
Verkaufspreise  wesentlich  mitzugestalten,  zeigten  die  in  Frage  kom¬A

  Stadtverband  Sbr.  K  III  8  1  3/05:  Neuordnung  der  SFG  vom  23.11.1959;  Saarbrücker
  Ztg.  vom  28.7.1964:  Saar-Ferngas  AG  muß  Durststrecke  überwinden
392  ^  Stadtverband  Sbr.  K  III  8  1  3/05:  Neuordnung  der  SFG  vom  23.11.1959;  Saarbrücker
  Ztg.  vom  7.11.1959:  Erhöhter  Absatz  der  Saar-Ferngas  AG
393  ^  Stadtverband  Sbr.  K  III  8  1  3/05:  Neuordnung  der  SFG  vom  23.11.1959
394  a  Stadtverband  Sbr.  K  III  8  1  3/05:  Neuordnung  der  SFG  vom  23.11.1959

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