Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

satzgebiet  nicht  zu  verlieren,  stimmte  der  Aufsichtsrat  im  Februar  1954
einem  neuen  Preisabkommen  mit  den  Erzeugern  zu.  Die  wichtigsten
Neuerungen  bestanden  darin,  dass  der  zugrunde  liegende  Kohlenpreis
angehoben  und  die  Rabattsätze  für  noch  zu  komprimierendes  Gas  von
18  auf  drei  Prozent  herabgesetzt  wurde.378
Während  sich  die  Erzeugergruppe  mit  dieser  Regelung  erst  einmal  zufrieden
  gab,  blieb  das  prinzipielle  Dilemma  der  SFG  bestehen.  Auf  der
einen  Seite  nutzten  Hütten  und  Gruben  ihre  starke  Position  in  Vorstand
  und  Aufsichtsrat  zur  Durchsetzung  ihrer  Preisvorstellungen,  auf
der  anderen  Seite  entsprachen  die  Verkaufspreise  durch  staatliche  Reglementierung
  nicht  den  tatsächlichen  Kostenverhältnissen.  Diese
"Kosten-Preis-Schere"  belegt  auch  eine  Aufstellung  des  Statistischen
Landesamtes  vom  Oktober  1956.  Danach  stiegen  zwischen  1938  (Basis
100)  und  1955  die  Gaseinkaufspreise  der  SFG  um  den  Index  443,  wohingegen
  die  Gasverkaufspreise  der  SFG  um  264  und  die  Gastarife  der
Gemeinden  sogar  nur  um  176  Zunahmen.379  Folglich  operierten  die
SFG  und  vor  allem  die  Weiterverteiler  mit  nur  geringen  Preisaufschlägen,
  woraus  Verluste  in  Millionenhöhe  resultierten.
Als  weiterer  Faktor  der  Defizitpolitik  kamen  die  hohen  Investitionen
hinzu,  die  das  Gasunternehmen  ungeachtet  der  fehlenden  Eigenkapitalmittel
  in  den  50er-Jahren  durchführte.  Alleine  zwischen  1948  und
1953  investierte  die  SFG  2,5  Mrd.  Frs.,  sodass  sich  die  Erzeugungskapazitäten
  gegenüber  1943  verdoppelten,380  Hierzu  gehörten  zwei  Kompressorenstationen
  in  Heinitz  (6.000  cbm/Tag)  und  Burbach,  eine  Generatorenanlage
  auf  der  Kokerei  Reden  zur  Freimachung  von  ca.
220.000 Kubikmeter  Kokereigas  pro  Tag,  Reinigungsanlagen  auf  der
Burbacher  und  Flalberger  Hütte  sowie  der  Ausbau  der  Schwefelreinigungsanlage
  in  Homburg.381
Obwohl  Anfang  der  50er  Jahre  eine  Gasversorgung  des  nördlichen
Saarlandes  bis  in  den  Raum  Wadern  und  Tholey  scheiterte,  wurde  das
Leitungsnetz  nach  1950  um  die  Strecken  Neunkirchen  -  Merzig  (47
km),  Burbacher  Hütte  -  Mettlach,  Burbacher  Hütte  -  Frankreich,  Kirchheimbolanden
  -  Alzey  sowie  um  mehrere  Stichleitungen  erweitert.
Zusätzliche  Neubaumaßnahmen  fanden  in  Frankreich  statt.  Nachdem
1949  mit  dem  Bau  einer  Leitung  zwischen  Nancy  und  Sarregemuines

338  LA  Sbr.  Min.  für  Wirtschaft  613:  Denkschrift  vom  30.12.1953;  A  Stadtverband
Sbr.  8  1  3/03  Bd.  3:  Gaspreise  im  Saarland  vom  20.9.1956
33^  A  Stadtverband  Sbr.  8  1  3/03  Bd.  3:  Indexentwicklung  von  1938  auf  1955  vom
29.10.1956;  bezeichnenderweise  sind  im  Geschäftsbericht  der  SFG  (1955)  nur  die  Angaben
  über  den  Gaspreis  der  Gemeinden  festgehalten.
380  Vgl.  Guillet  (1953),  S.  6
381  Becker  (1951)

385
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.