Mit der umstrittenen Kapitalerhöhung der Jahre 1949/50 nahmen die
Differenzen zwischen den beiden großen Aktionärsgruppen, der Erzeugergruppe
und der Öffentlichen Hand, keineswegs ein Ende, ln den
folgenden fahren machten sich deren unterschiedliche Interessen vor
allem in der Preispolitik bemerkbar. Nach einem Schiedsspruch der
Regierung des Saarlandes hob das Unternehmen die Höchstpreise
letztmalig 1949 an. Die Verkaufspreise lagen nun im Saarland mit 11,25
bis 13,75 Frs. pro Kubikmeter unter den Vergleichswerten in Frankreich
(25 bis 30 Frs.) und in Deutschland (25 bis 27 Pfg. bzw. 21,5 bis
22,5 Frs.), doch entsprachen die Einkaufspreise dem Niveau der Nachbarregionen.375
Auch in den folgenden Jahren, so 1951 und 1953, gab
die Saarregierung dem Drängen der SFG nach höheren Gasverkaufspreisen
zwar nach, doch reichten diese nicht aus, die hohen Gaseinstandspreise
der Erzeugergruppe auszugleichen.376 Gleichwohl ließen
die Régie des Mines und die Hüttenwerke in ihren Bemühungen nicht
nach, die Erlöse für das Kokereigas weiter nach oben zu treiben.
Diesmal jedoch verhinderten die Vertreter der Öffentlichen Hand und
der Gaz de France gemeinsam im Aufsichtsrat weitere Preiserhöhungen,
sodass sich der Konflikt im Verlaufe des Jahres 1953 zuspitzte.
Georges Thédrel, Sequesterverwalter der Röchling-Werke in Völklingen,
trat vorübergehend von seinem Posten als Aufsichtsratsmitglied
zurück. Die Aufsichtsratssitzung im Juli 1953 fand ohne die Vertreter
der Erzeugergruppe statt. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen,
kürzten die Produzenten die Gaslieferungen an die SFG, sodass es
in der Pfalz zu Versorgungsengpässen kam. Anfang November 1953
verzeichnete die pfälzische Industrie deshalb Produktionsausfälle. Im
Aufsichtsrat protestierte der Regierungspräsident der Pfalz, Franz Pfeiffer,
gegen die Lieferstockungen und forderte den Vorstand auf, die
Gasversorgung in der Zukunft unter allen Umständen sicherzustellen.37
Um eine weitere Eskalation zu verhindern und die Pfalz als Ab¬Volk
eine gute Einnahmequelle verloren, was wiederum eine höhere steuerliche Belastung
für den einzelnen bedeutet"; Neue Zeit vom 8.2.1949: Saar-Ferngas AG oder
Gaz de France; Neue Zeit vom 24.2.1949: Also doch "Gaz de France"!
3/5 SFG GB (1950), S. 8; Saarbrücker Ztg. vom 9.11.1951: Hauptversammlung der
Saar-Ferngas AG
-3 ^ Nach einer Aufstellung vom Oktober 1953 lagen die Gaseinkaufspreise bei 5,30
Frs. pro Kubikmeter, während die Verkaufspreise zwischen 6,55 Frs. (BASF), 7,95
Frs. (Saarland) und 8,42 Frs. (Gaz de France) schwankten; A Stadtverband Sbr. I< 111
8 1 3/05
A Stadtverband Sbr. 8 1 3/03 Bd. 3: Aufsichtsratssitzung vom 2.6.1953; Saarbrücker
Ztg. vom 5.11.1953: Höherer Gasbedarf, geringere Erzeugung; Saarbrücker Ztg.
vom 23.11.1953: Wieder Ferngas für die "BASF"; Saarländische Volkszeitung vom
25.11.1953: Kritik an der Saarferngas AG
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