Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

de  France  ohne  Einschränkung  berücksichtigen.  Schließlich  erleichtere
die  Aufnahme  der  französischen  Gasgesellschaft  auch  den  Zugang  zu
den  dortigen  Kapitalmärkten.
Auf  der  anderen  Seite  wollten  die  Städte  und  Landkreise  den  Verlust
ihres  Einflussbereichs  unter  allen  Umständen  verhindern.  Der  Neunkircher
  Bürgermeister  Brockmeier  forderte,  die  Mehrheit  der  Öffentlichen
  Hand  am  Aktienkapital  und  im  Aufsichtsrat  der  SFG  zu  erhalten.
Nach  Auffassung  des  St.  Wendeier  Landrats  Schütz  ging  es  der  Erzeugerseite
  nur  darum,  die  Majorität  der  Öffentlichen  Hand  zu  beseitigen.
Da  die  Gaz  de  France  sowohl  Gaserzeuger  als  auch  Abnehmer  sei,
müssten  beide  Seiten  in  gleichem  Verhältnis  Anteile  abtreten.  Die  Vertreter
  der  Stadt  Saarbrücken,  Bürgermeister  Singer  und  Stadtdirektor
Blass,  schlugen  vor,  die  SFG  müsse  Alternativen  zur  Kapitalerhöhung
vorlegen.  Eine  Abgabe  von  Aktien  von  Seiten  der  Öffentlichen  Hand
sei  allenfalls  bis  zu  einer  Grenze  von  51  Prozent  vorstellbar,  weitere
Übertragungen  hingen  längerfristig  vom  Verhalten  der  Gaz  de  France
im  Aufsichtsrat  ab.367
Da  eine  Einigung  an  der  kompromisslosen  Haltung  der  Erzeugergruppe
  scheiterte,  aber  auch  die  Öffentliche  Hand  von  ihren  Forderungen
  nicht  abging,  drohte  Baboin  als  Vertreter  der  Erzeugergruppe
auf  einer  Aufsichtsratssitzung  im  Juli  1948,  "daß  die  Gasprodugenten,  wenn
sie  die  Absatzmöglichkeiten  ihrer  Produkte  in  Gefahr  sehen,  gezwungen  werden,  die
Auflösung  der  Gesellschaft  gu  beantragen,  um  ihre  Freiheit  wieder  gu  gewinnen  und
die  Möglichkeit  gu  bekommen,  das  produzierte  Gas  abgusetgen"A68
Als  die  Gaz  de  France  im  September  1948  ihre  Forderung  nach  einem
Aktienanteil  von  zehn  Prozent  und  zwei  der  zwölf  Aufsichtsratssitze
mit  der  Ankündigung  einer  Bürgschaft  von  150  Mio.  Frs.  verband,  verringerte
  sich  der  argumentative  Spielraum  der  Städte  und  Gemeinden
allerdings  zusehends.  Ihnen  drohte  nicht  nur  eine  empfindliche  Einschränkung
  bis  zum  völligen  Lieferstop  ihrer  Gasbezüge,  sie  wären
letztlich  auch  für  das  Scheitern  der  Wirtschaftsbeziehungen  mit  der
französischen  Gasgesellschaft  verantwortlich  gemacht  worden.  Von
daher  besaß  die  Öffentliche  Hand  kaum  noch  die  Möglichkeit,  ihre  ursprüngliche
  Forderung  -  Abtretung  von  Anteilen  der  Erzeugergruppe
an  die  Gaz  de  France  -  durchzusetzen.  Einzelne  ihrer  Vertreter,  wie  der
Saarbrücker  Landrat,  Peter  Michely,  gaben  ihre  ablehnende  Position
auf.  Stattdessen  beharrte  die  Öffentliche  Hand  jetzt  nur  noch  darauf,
der  Gaz  de  France  höchstens  einen  Aufsichtsratssitz  zuzugestehen  und

^  A  Stadtverband  Sbr.  8  1  3/03  Bd.  1:  Besprechungen  der  Öffentlichen  Hand  Saar
vom  23.2.1948  und  7.5.1948
368  Stadtverband  Sbr.  8  1  3/03  Bd.  1:  Aufsichtsratssitzung  vom  3.7.1948

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