von einer Mio. Kubikmeter sowie ein Rohrleitungsnetz von mehr als
800 Kilometer.363
Gelang es der kommunalen Gruppe weder entscheidend auf die Preispolitik
der SFG Einfluss zu gewinnen, noch über mögliche Dividendenzahlungen
Gewinne aus dem Unternehmen zu ziehen, manifestierte
sich in den Jahren 1948/49 auch formal das Übergewicht der Erzeuger
innerhalb der SFG.
Den Flintergrund für diese Entwicklung bildeten Pläne, Lothringen mit
Kokereigas zu versorgen. Genauso wie der Export von Steinkohle,
Elektrizität und Fertigprodukten sollte auch die Lieferung von Kokereigas
den wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an Frankreich
unter Beweis stellen. Auch die Gaswirtschaft unterlag der französischen
Reparationspolitik.364 Anfangs war daran gedacht, etwa 75 Mio. Kubikmeter
saarländisches Kokereigas nach Lothringen zu liefern.365
Zugleich befand sich die SFG aber in einer Situation, dass die laufenden
Fännahmen weitere Investitionen nicht mehr zuließen; nur die Erhöhung
des Aktienkapitals ermöglichte die Finanzierung weiterer Baumaßnahmen.
Auch die staatliche französische Gasgesellschaft, die Gaz
de France, erkannte diese strategische Schwäche der SFG und machte
den Abschluss eines Liefervertrages von der Übernahme von Aktienanteilen
- in einer Höhe von zehn bis 15 Prozent - abhängig. Die französische
Gasgesellschaft stimmte in diesem Punkt mit den Forderungen
des mehrheitlich von der Erzeugergruppe gestellten Vorstandes überein.
Umstritten blieb von Anfang an jedoch die Frage, ob die Aktienübernahme
der Gaz de France zu Lasten der Erzeugergruppe (42 Prozent)
oder der Öffentlichen Hand (58 Prozent) erfolgen sollte.
Auf der einen Seite bestanden die Hütten und Gruben darauf, dass die
Anteile von der Öffentlichen Hand stammen müssten. Die Gaz de
France - so der Aufsichtsratsvorsitzende der SFG und Vorstandsvorsitzende
der Régie des Mines, Robert Baboin - sei der Abnehmergruppe
zuzurechnen, da sie im Aufträge der französischen Regierung die
Interessen der Öffentlichen Hand im Gassektor vertrete.366 Wenn
Frankreich als zukunftsträchtiges Absatzgebiet gewonnen werden und
Akienanteile übernehmen solle, müsse die SFG die Interessen der Gaz
363 SFG GB (1947), S. 4; Saarbrücker Ztg. vom 7.8.1948: Steigende Gaserzeugung;
Saarbrücker Ztg. vom 31.1.1949: Statt Demontage, Zeichen glücklichen Wiederauf-364
Vgl. Abelshauser (1983), S. 117
36,3 Saarbrücker Ztg. vom 7.8.1948: Steigende Gaserzeugung; Volksstimme vom
19.3,1949: Saarferngas für Ost und West; Saarbrücker Ztg. vom 29.4.1950: Saargas für
Paris und Eisass
366 A Stadtverband Sbr. 8 1 3/03 Bd. 1: Aufsichtsratssitzung vom 24.4.1948
379