2, Die Orientierung der saarländischen Gaswirtschaft nach
Frankreich
Der Trend zur Entkommunalisierung der Gasversorgung setzte sich in
den Nachkriegsjahren auch im Saarland - wenngleich in anderer Ausprägung
- fort. Die beiden letzten noch verbliebenen lokalen Gaswerke
in St. Wendel und Merzig stellten in den Jahren 1947/48 die Eigenerzeugung
ein, als die SFG mit ihrem Versorgungsnetz in diese Städte
vordrang. In St. Wendel wiesen Gasometer, Ofenanlage und Betriebsgebäude
schwere Kriegsschäden auf; Merzig verzeichnete Engpässe in der
Kohleversorgung.355
Als sehr viel weit reichender erwies sich die Entkommunalisierung innerhalb
der SFG, die allmähliche Zurückdrängung der Öffentlichen
Hand infolge der Politik der Gasproduzenten, der französischen Militärbehörden
und der saarländischen Landesregierung. Wie ein roter
Faden ziehen sich die Auseinandersetzungen vor allem um die Preisgestaltung
durch die Entwicklung des saarländischen Regionalunternehmens.
Bestimmten in den 30er-Jahren und in der Kriegszeit das
Aufbauprogramm und die Rüstungsanforderungen die Unternehmenspolitik,
und ließen diese äußeren Rahmenbedingungen die internen Differenzen
eher zurücktreten, brachen diese in den 50er-Jahren umso
deutlicher aus.
In den ersten Nachkriegsjahren setzte sich zunächst jedoch die "Außenbestimmung"
der SFG fort. Da die Festsetzung der Gaspreise wie
die von 15 anderen Produkten der Genehmigung des alliierten Kontrollrates
bedurfte, kamen entsprechende Preiserhöhungen jeweils erst
mit erheblichem zeitlichem Abstand zustande. Schon im Februar 1946
beispielsweise beantragte die SFG beim französischen Militärgouverneur
in Baden-Baden eine Preiserhöhung von zwei Reichspfennigen
pro Kubikmeter Die Militärbehörde erklärte sich aber für nicht zuständig
und gab den Antrag an den Kontrollrat in Berlin weiter, der in
mühseligen Verhandlungen die unterschiedlichen Positionen der vier
Delegationen auf einen Nenner bringen musste. Im angesprochenen
Fall fiel eine Entscheidung - ein Zuschlag von einem Reichspfennig pro
Kubikmeter - erst am 1. April 1947, vierzehn Monate nach der Antragstellung.356
Während die Gaspreise somit eine politische Verhandlungsmasse bildeten,
wobei ein ausreichender Gewinnaufschlag nicht durchsetzbar
355 SFG GB (1947), S. 4; SFG GB (1948), S. 6; SFG GB (1949), S. 11
356 ^ Stadtverband Sbr. 8 1 3/04: Bericht an Hauptversammlung vom 12.9.1946 und
8 1 3/03: Geschäftsbericht 1946
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