Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

ter denen der Eigenerzeugung lag. In Dülmen in Westfalen standen 1955 
der Ausbau der vorhandenen Erzeugungsanlagen, die Errichtung einer 
Spaltanlage und der Bezug von Ferngas zur Alternative. Die Stadtwerke 
entschieden sich aus Kostengründen für einen Liefervertrag mit der 
VEW.350 
Im Verlauf der 50er Jahre erschwerte weiterhin die zunehmende Kon¬ 
kurrenz der Elektrizität und des Heizöls im Wärmemarkt die Uberle¬ 
bensperspektiven vor allem der kleineren Gaswerke. Auch die Gaser¬ 
zeugung aus Mineralölprodukten brachte nicht für alle Betriebe einen 
Ausweg. Sie wies zwar eine Reihe betriebstechnischer Vorteile - Elasti¬ 
zität der Gasdarbietung, schnelle Betriebsbereitschaft, Reservehaltung, 
Wegfall der Nebenerzeugnisse, geringer Platzbedarf - und betriebswirt¬ 
schaftlicher Vorteile - geringere Kapitalintensität von Spaltanlagen, ge¬ 
ringerer Personalbedarf - gegenüber der traditionellen Steinkohlengas¬ 
erzeugung auf, doch setzte sie sich i.d.R. nur in größeren Versorgungs¬ 
unternehmen durch. "Obwohl durch die Verwendung von NM-Gasen die 
Wirtschaftlichkeit besonders der kleinen Gaswerke verbessert werden konnte, hat 
sich doch die A.mfehungskraft der neu entstandenen Femgasnet^e in vielen Fällen 
als stärker erwiesenL351 Offensichtlich zeigten besonders kleinere Unter¬ 
nehmen keinerlei Bereitschaft mehr, von der traditionellen Gasberei¬ 
tungsmethode abzuweichen und weit reichende Investitionsentschei¬ 
dungen zum Bau von Entgasungs- und Spaltanlagen zu treffen.352 
Das Übrige taten die Ferngasunternehmen, die sich im Zuge ihrer Ex¬ 
pansionspolitik jeder Zeit darum bemühten, die Gestehungskosten ge¬ 
rade kleinerer Betriebe zu unterbieten. Der Ausbau des Ferngasnetzes 
versetzte nun immer mehr kommunale Gaswerke in die Lage, zum 
Fremdbezug überzugehen. Zwischen 1945 und 1954 kamen 1.900 Ki¬ 
lometer Hochdruckleitungen hinzu, sodass die Gesamtlänge zu diesem 
Zeitpunkt 7.600 Kilometer betrug, im Zuge des Übergangs zur Erdgas¬ 
versorgung wurde das Ferngasnetz weiter ausgebaut, was sich in der 
Investitionstätigkeit der Gaswirtschaft niederschlug. Ging der Anteil 
der Investitionen an den Erzeugungsanlagen von 28 Prozent (1960) auf 
neun Prozent (1963) zurück, stieg derjenige an den Rohrnetzen von 43 
auf 69 Prozent. Mitte der 60er-Jahre bauten die Energieversorger vor 
allem in Norddeutschland mehrere überregionale Transportnetze auf, 
um die dortigen Verbrauchszentren in Bremen, Hamburg, Hannover 
und Münster mit inländischen Erdgasfeldern zu verbinden. Dazu ge¬ 
550 Stadtwerke Lüdenscheid (1983), S. 16 f.; Stadtwerke Aschaffenburg (1987); Höve- 
ner (1989), S. 81 f. 
551 Segelken (1962), S. 8; auch Untersuchung (1962), S. 220; Weber (1964), S. 16 ff. 
und 49 
552 ygi ]>aurjen (1961), S. 7 
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