Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

diesen Prozess erwiesen sich längerfristige Entwicklungen wie die Sub¬ 
stitution von Kohle und Koks durch Mineralöl und Gas bei den Haus¬ 
halten und Kleinverbrauchern sowie der Rückgang des spezifischen 
Kohleverbrauchs beispielsweise in der Elektrizitätswirtschaft oder der 
Eisen- und Stahlindustrie, ln der gesamten Industrie ging der spezifi¬ 
sche Kohleverbrauch zwischen 1950 und 1958 jährlich um durch¬ 
schnittlich fünf Prozent zurück.340 
Hinzu kamen zum Jahreswechsel 1957/58 verschiedene kurzfristige 
Faktoren, die die Mangellage an heimischer Steinkohle innerhalb weni¬ 
ger Monate in ein Überangebot umkehrten. Zum einen verlängerte die 
Bundesregierung die Importverträge für Kohle, sodass die amerikani¬ 
schen Minen die Bundesrepublik mit Steinkohle überschwemmten. 
Zum anderen erfassten der Konjunkturabschwung gegen Ende 1957 
sowie die günstigen klimatischen Bedingungen in den Wintermonaten 
1957/58 den Kohlenbergbau voll.341 * Schließlich machte sich ab 1957 
verstärkt bemerkbar, dass die Bundesregierung mit dem Wegfall von 
Mineralölsteuer und Mineralölzoll jegliche staatliche Einflussnahme auf 
die Mineralölbranche aufgab. Bis 1959 erreichten die Haldenbestände 
an Steinkohle und Koks mit 18 Mio. Tonnen ihren Höchststand. Die 
Bundesregierung versuchte zwar seit Februar 1959, über einen Kohlen¬ 
zoll von 20 DM pro Tonne die Wettbewerbsbedingungen für die deut¬ 
sche Steinkohle gegenüber der Importkohle etwas zu verbessern, zö¬ 
gerte aber, eine entsprechende Steuer für Mineralöl einzuführen: "Im 
Unterschied ^ur Importkohle gingen von der Mineralölindustrie -pudern noch nach¬ 
haltige wirtschaftliche Wachstumsimpulse aus, so daß givar die Einfuhrbeschrän¬ 
kung fester Brennstoffe wirtschaftspolitisch vertretbar war, aber die Kontingentierung 
von Mineralölimporten kaum sinnvoll sein konnte"M1 Die Heizölsteuer vom 
Mai 1960, die die Bundesregierung auf 25,- DM für schweres Heizöl 
und 10,- DM für leichtes Heizöl festsetzte, kam von daher aus Sicht des 
Bergbaus zu spät; zudem lagen die Steueraufschläge bewusst niedrig, 
um die Expansion des Mineralöls nicht entscheidend zu bremsen.343 
Auch die Gaswirtschaft hatte Teil am strukturellen Wandel des bundes¬ 
deutschen Energiemarktes. Zum einen versuchte auch sie, den Wandel 
der Brennstoffversorgung in Richtung Mineralölprodukte zu nutzen, 
zum anderen verstärkte sich auch innerhalb der Gaswirtschaft der 
Konzentrationsprozess und die Entkommunalisierung. Dessen unge¬ 
achtet nahm die Gasdarbietung der öffentlichen Gaswirtschaft - Koke¬ 
3441 Vgl. Energiewirtschaft (1960), S. 56; Untersuchung (1962), S. 33; Müller-Michaelis 
(1968), S. 29 f. 
341 Vgl. Kegel (1966), S. 29 f.; Schaaf (1978), S. 52; Lauschke (1984), S. 7 ff. 
34“ Lauscke (1984), S. 29; auch Müller-Michaelis (1968), S. 56 
343 Vgl. Esso (1967) 
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