Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Die  Untersuchungen  vom  Sommer  1941  ergaben  indessen,  dass  die  zur
Verfügung  stehenden  Gasmengen  kaum  ins  Gewicht  fielen  und  weder
Rohrleitungen  noch  Kompressionsanlagen  den  technischen  Bedingungen
  für  einen  Ferngastransport  entsprachen.319 320  Durch  bauliche  Maßnahmen
  der  Kokereien  seien  aber  sämtliche  in  Frage  kommenden  Anlagen
  so  umzurüsten,  dass  in  absehbarer  Zeit  mit  beträchtlichen  Gasüberschussmengen
  von  bis  zu  300  Mio.  Kubikmeter  jährlich  zu  rechnen
sei.  Eine  Verbindung  mit  dem  südwestdeutschen  Leitungsnetz  löse  auf
einen  Schlag  die  Versorgungsengpässe  in  Deutschland:  "Die  sofortige  Herstellung
  wenigstens  die  Vorbereitung  gur  Herstellung  eines  Anschlusses  der  Westmark,
  insbesondere  des  lothringer  (!)  Erzreviers  mit  dem  Deutschen  Gasring  ist  eine
dringende  Forderung  der  gesamten  Deutschen  Energiewirtschaft"?2()  Im  Einzelnen
  schlug  die  SFG  den  Bau  einer  Sammelleitung  entlang  der  Lothringer
  Kokereien,  die  Herstellung  einer  Verbindungsleitung  zwischen
Hayange  und  Homburg/Saar  sowie  die  Errichtung  einer  Ringleitung
zum  Anschluss  Lothringens  vor.  Da  die  dabei  entstehenden  Kosten
von  bis  zu  19  Mio.  RM  -  bei  einem  prognostizierten  Jahresabsatz  von
300  Mio.  Kubikmeter  -  die  finanziellen  Möglichkeiten  der  SFG  weit
überstiegen,  sollten  sämtliche  Leitungen  mit  öffentlichen  Mitteln  finanziert
  werden.  Zugleich  forderte  die  SFG  wiederum  die  Übertra-gung
sämtlicher  Zubringerleitungen  sowie  Kompressoren-  und  Schwefelreinigungsanlagen
  der  Firmen  de  Wendel,  Basse  Moselle  und  der  Compagnies
  Réunies  de  Gaz  et  d'  Electricité  in  ihren  Besitz.321
Jedoch  hatten  in  der  Zwischenzeit  auch  andere  Unternehmen  wie  die
Rheinische  Energie  AG  (Rhenag)  in  Köln  und  die  Hermann-Göring-Werke
  in  Salzgitter  über  die  "Ferngas-Gesellschaft  mbH  der  Reichswerke"
  Besitzansprüche  angemeldet.  Da  die  Reichswerke  Hermann
Göring  in  den  vier  lothringischen  Hüttenwerken  Hayingen  (Hayange),
Moevern-Rosslingen,  Hagedingen  (Hagedange)  und  Sefe,  die  auch  für
eine  Kokereigasversorgung  in  Frage  kamen,  als  Treuhänder  fungierten,
machten  sie  gegen  die  vollständige  Eigentumsübertragung  an  die  SFG
Front.  Nur  falls  die  SFG  bereit  sei,  ihnen  eine  16-prozentige  Beteiligung
  an  der  SFG  abzutreten  und  ihr  einen  Platz  im  Aufsichtsrat  zu
überlassen,  gebe  sie  die  lukrative  Versorgung  der  Städte  Metz  und  Diedenhofen
  aus  der  Hand.  Weder  die  Hüttengruppe  noch  die  Öffentliche
Hand  innerhalb  der  SFG  zeigten  aber  großes  Interesse,  Aktienanteile  an
das  staatliche  Unternehmen  abzugeben,  weshalb  die  Reichswerke  ihren

3D  StA  sbr.  q  24/7180:  Vierteljahresbericht  IV/1940
320  ßA  Koblenz:  R  4/23:  Vorschläge  zur  Neugestaltung  vom  2.7.1941
321  StA  Sbr.  G  24/7180:  Vierteljahresbericht  111/1941

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