Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Netz  der  Hermann-Göring-Werke  bei  Salzgitter  zu  verbinden  und  von
dort  aus  einen  Hauptstrang  nach  Berlin  zu  errichten.  Von  Berlin  aus
sollte  die  Leitung  mit  dem  Netz  der  schlesischen  Ferngas-Gesellschaft
gekoppelt  werden.  In  Süddeutschland  umfassten  die  projektierten  Erweiterungsmaßnahmen
  die  Leitungen  Karlsruhe  -  Stuttgart  in  Richtung
Ulm  und  München,  von  wo  aus  die  Netze  bis  zu  den  Hermann-Göring-Werken
  in  Linz  fortgeführt  werden  sollten.310
Auf  Anordnung  des  Oberkommandos  der  Wehrmacht  (OKW)  und  in
Abstimmung  mit  dem  Reichswirtschaftsministerium  hatte  die  SFG
schon  bis  Oktober  1938  eine  Verbindungsleitung  zwischen  Ludwigshafen
  und  Mannheim  durch  den  Rhein  ausgeführt.  Wesentlich  höhere
Bedeutung  besaß  die  Kupplungsleitung  zwischen  den  Versorgungsgebieten
  der  SFG  und  der  RAG  im  Rhein-Main-Gebiet,  welche  das
Reichswirtschaftsministerium  und  das  OKW  im  Februar  1940  in  Auftrag
  gaben.311  Materialengpässe  und  der  Arbeitskräftemangel  verhinderten
  jedoch  den  Leitungsbau  zwischen  Mannheim  und  Rüsselsheim  mit
einer  Umgehungsleitung  von  Frankenthal  über  Worms  nach  Bürstadt
bis  November  1943.
Neben  den  überörtlichen  Kupplungs-  und  Verbindungsleitungen  beinhaltete
  das  Ausbauprogramm  der  saarländischen  Ferngasgesellschaft
auch  die  Ausweitung  des  inneren  Ferngasnetzes,  vor  allem  in  der  Pfalz.
Ähnlich  wie  in  der  Saarregion  mussten  die  kommunalen  Gaswerke  in
Hettenleidelheim,  Grünstadt,  Kirchheimbolanden  und  Germersheim  in
den  Jahren  1937/38  die  Eigenerzeugung  einstellen,  nachdem  die  SFG
das  Hochdruckleitungsnetz  um  die  Strecken  Speyer  -  Germersheim  und
Bad  Dürkheim  -  Kirchheimbolanden  erweiterte.  Auch  Landstuhl  erhielt
1938  Anschluss  an  das  Ferngasnetz.  Verhandlungen  führte  die  Unternehmensleitung
  auch  mit  Pirmasens  und  Kusel  sowie  mit  mehreren
pfälzischen  Industriebetrieben,  ohne  dass  es  zum  Abschluss  von  Lieferverträgen
  kam.312
Das  rüstungswirtschaftlich  bedeutendste  Projekt  betraf  den  Bau  einer
zweiten  Leitung  zur  IG  Farben  nach  Ludwigshafen.  Einerseits  reichte
die  schon  bestehende  Leitung  nicht  mehr  aus,  den  wachsenden  Bedarf
des  Chemieunternehmens  von  100  Mio.  Kubikmeter  jährlich  zu  decken,
  andererseits  konnte  die  SFG  die  Versorgungssicherheit  mittels
zweier  Parallelleitungen  erhöhen  und  eine  Belieferung  rechtsrheinischer
Gebiete  offen  halten.313  Die  Räumung  der  Grenzregion  mit  Kriegsbeba
  Koblenz:  R  4/23:  Bericht  über  die  Gasversorgung  in  Lothringen  vom
2.7.1941
3H  StA  Sbr.  G  24/7180:  Reichswirtschaftsministerium  vom  15.2.1940
312  Stadtwerke  Pirmasens  (1999),  S.  16
313  Vgl.  Rothenberger  (1995),  S.  66

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