Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

diese  nicht  zur  Saar  zu  transportieren,  sondern  in  einem  örtlichen  Vorschmelzwerk
  zu  Eisen  zu  verarbeiten.306  Das  dabei  anfallende  Kokereigas
  wollte  man  über  eine  neu  zu  gründende  Gesellschaft  (Württem-bergische
  Ferngasversorgung)  unter  Beteiligung  der  SFG  zum  Aufbau  eines
  weiträumigen  Ferngasnetzes  in  Württemberg  einsetzen.307  Die  Entscheidung,
  stärker  zur  inländischen  Eisenverhüttung  überzugehen,  gab
erst  einmal  ein  wenig  Spielraum,  die  Erweiterung  der  Kokereianlagen
der  Saarhütten  hintenanzustellen.  Da  sich  die  Ausbaumaßnahmen  der
Saargruben  verzögerten,  und  die  Saarhütten  überhaupt  keine  Erweiterungen
  Vornahmen,  kam  es  im  Winter  1938  zu  ersten  Versorgungsengpässen.
  Ein  Kälteeinbruch  führte  zu  Transportbehinderungen  auf  den
Eisenbahnstrecken,  sodass  die  Belieferung  der  Kokereien  mit  Kohle
zeitweilig  stockte.  Der  damit  verbundene  Rückgang  der  Kokereigaserzeugung
  wirkte  sich  in  Form  von  Liefereinschränkungen  insbesondere
für  die  Industrie  negativ  aus.  Landau  musste  die  Versorgung  zeitweise
einstellen.308
Ebenso  wie  die  Erweiterungsmaßnahmen  der  Hütten  zerschlug  sich  im
Sommer  1942  auch  der  Plan  des  GIWE,  in  Marineau  in  Lothringen
eine  Schwelanlage  zu  errichten.  Die  geplante  Anlage  mit  einer  [ahreserzeugung
  von  160  Mio.  Kubikmeter  Schwelgas  hätte  auf  einen  Schlag
das  Gasangebot  in  etwa  verdoppelt.  Technische  Hindernisse  brachten
es  jedoch  zum  Scheitern:  Da  das  Schwelgas  über  einen  Heizwert  von
7.500 WE  verfügte,  hätte  es  nur  unter  Zusatz  von  Wassergas  den  üblichen
  Kaloriengehalt  von  ca.  4.300  WE  erreicht.  Bei  näherer  Prüfung
stellte  sich  heraus,  dass  die  Investitionskosten  für  die  erforderliche
Wassergasanlage  ein  solches  Ausmaß  erreichten,  dass  ein  konkurrenzfähiger
  Gaspreis  außerhalb  des  Möglichen  lag.309
Neben  dem  Ausbau  der  Erzeugungsanlagen  bestand  ein  zweites  wichtiges
  Instrument  der  Expansionspolitik  der  SFG  in  der  Erweiterung  der
Transportnetze.  Einerseits  erhoffte  sich  das  Unternehmen  auf  diesem
Weg,  neue  Absatzgebiete  auch  durch  Stilllegung  lokaler  Gaswerke  zu
erschließen,  andererseits  musste  man  unter  allen  Umständen  die  Liefersicherheit
  durch  den  Zusammenschluss  mit  benachbarten  Versorgungsgebieten
  erhöhen.  Die  Verbindung  der  links-  mit  den  rechtsrheinischen
  Versorgungsgebieten  brachte  die  alte  Idee  der  AfK  zum  Abschluss,
  einen  nationalen  Ferngasring  zu  bilden.  Die  Planungen  sahen
nun  vor,  die  Netze  der  RAG  und  der  TGW  mit  dem  neu  errichteten

306  StA  st»..  G  24/7177:  Vierteljahresbericht  11/1938;  zur  Bedeutung  des  Doggererzabbaus
  Seibt  (1941),  S.  54  ff.;  Plettenberg  (1988),  S.  68  f.
^07  StA  Sbr.  G  24/7181:  Aufsichtsratssitzung  vom  21.12.1940
308  StA  Sbr.  G  24/2350:  Vierteljahresbericht  IV/1938
309  StA  Sbr.  G  24/7107:  Bericht  über  die  allgemeine  Gaslage  vom  13.6.1942

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