Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Um  in  Zukunft  vor  allem  der  industriellen  Nachfrage  nachzukommen,
mussten  die  Produktionskapazitäten  der  saarländischen  Kokereien  beträchtlich
  ausgeweitet  werden.  Zunächst  konzentrierte  sich  der  Ausbau
auf  den  Bergbau.  Hier  nahm  die  Saargrubenverwaltung  als  erstes  Modernisierungsmaßnahmen
  in  der  bestehenden  Kokerei  in  Heinitz  vor.
Das  Aufbauprogramm  beinhaltete  den  Neubau  der  Koksofenbatterien  I
und  II,  einer  Ammoniakfabrik  und  den  vollständigen  Umbau  der
Benzolfabrik.  Das  überschüssige  Kokereigas,  das  noch  bis  1935  zur
Stromgewinnung  diente,  speiste  die  Kokerei  ab  Februar  1938  in  das
Ferngasnetz  ein.303
Fän  zweites  Projekt  der  Saargruben  AG  sah  im  Herbst  1938  im  Rahmen
  des  Vierjahresplans  den  Neubau  einer  Zentralkokerei  am  Standort
des  Bergwerks  Reden  vor.  Die  Inbetriebnahme  der  Anlage  verzögerte
sich  jedoch  infolge  der  Evakuierung  des  Saargebiets  bis  Dezember
1940.304  Zudem  sträubten  sich  die  Behörden  lange  Zeit,  die  Betriebsgenehmigung
  für  einen  20.000  Kubikmeter  fassenden  Gasbehälter  zu  erteilen.
  Zu  frisch  war  noch  die  Erinnerung  an  die  folgenschwere  Explosion
  des  Neunkircher  Gasometers  im  Jahre  1933,  zumal  das  gesamte
Baugelände  unter  erheblichen  Grubensenkungen  litt.305
Auch  die  Erweiterungspläne  der  saarländischen  Hüttenkokereien  kamen
  in  den  Vorkriegsjahren  nur  langsam  voran.  Den  Ausschlag  hierfür
gab,  dass  die  deutschen  Hüttenwerke  ihrerseits  zum  Zielobjekt  der
staatlichen  Autarkiebemühungen  wurden.  Neben  dem  staatlichen  Stahlunternehmen,
  den  Reichswerken  für  Erzbergbau  und  Eisenhütten
(Hermann-Göring-Werken)  gingen  auch  die  fünf  Saarhütten  dazu  über,
verstärkt  einheimische  Eisenerzvorkommen  zu  nutzen.  Sie  planten,  auf
die  Erzvorkommen  im  Raum  Donaueschingen  zurückzugreifen  und

VB  Vgl.  Schroeder  (1964),  S.  22;  Schroeder  (1965),  S.  67;  Saarbrücker  Ztg.  vom
8.6.1949:  Saar-Kokereien:  Ein  Rundgang  durch  die  Kokereien  Heinitz  und  Reden;  neben
  diesen  Modernisierungen  nahm  die  Grubenverwaltung  ein  umfangreiches  Versuchsprogramm
  (Salerni-Verfahren)  wieder  auf,  mit  dem  Ziel  Schwelkoks,  Schwelteer
und  Heizöl  zu  gewinnen,  das  für  die  Weiterverarbeitung  in  der  Chemischen  Industrie
gedacht  war.
■  04  Saarbrücker  Ztg.  vom  1.8.1939:  Die  neue  Kokerei  Reden;  Saarbrücker  Ztg.  vom
8.6.1949:  Saar-Kokereien:  Ein  Rundgang  durch  die  Kokereien  Heinitz  und  Reden;  neben
  einer  neuen  Kohlenwäsche,  einer  mehr  als  800  Meter  langen  Bandbrücke,  einem
47  Meter  hohen  Kohlenturm  sowie  zwei  Koksbatterien  mit  jeweils  60  Kammern  bestand
  die  Anlage  auch  aus  zahlreichen  Einrichtungen  zur  Gewinnung  der  Nebenprodukte
  Ammoniak,  Benzol;  Phenol,  Naphthalin  und  Motorenbenzol.  Weitere  Nebenprodukte
  wie  Xylol  und  Tuluol  wurden  auf  der  benachbarten  Kokerei  in  Heinitz  gewonnen.
  Ein  gleichzeitiger  errichteter  Gasbehälter  besaß  ein  Fassungsvermögen  von
20  000  Kubikmeter.
305  уgi  Schroeder  (1966),  S.  48

355
            
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