Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Oberbürgermeister  Ecarius  Anfang  Juni  1934,  Bürckel  in  einem  Brief
auf  die  schwerwiegenden  finanziellen  Folgen  für  die  Stadt  im  Falle  eines
  Ferngasanschlusses  aufmerksam  zu  machen.  Dennoch  fasste  der
Ludwigshafener  Stadtrat  am  29.  )uni  1934  den  Beschluss,  dem  Liefervertrag
  zwischen  PGACf  und  FGS  prinzipiell  zuzustimmen,  wenn  auch
im  wesentlich  nur  deshalb,  um  die  Eingliederung  der  saarländischen
Wirtschaft  nach  Deutschland  nicht  zu  behindern.  Jedoch  hielt  man  sich
offen,  Vertragsdetails  in  Nachtragsverhandlungen  mit  der  PGAG  abzuändern.275

Innerhalb  der  PGAG  stieß  Ludwigshafen  nunmehr  auf  keinerlei  Resonanz.
  Angeblich  sollten  die  Ferngasverträge  aus  propagandistischen
Gründen  noch  vor  der  Saarabstimmung  unterzeichnet  werden.276  In  der
Aufsichtsratssitzung  vom  6.  Juli  1934  ließ  der  Vorsitzende  Willi
Schmelcher  unter  Umgehung  der  Hauptversammlung  -  sie  war  als  eigentliches
  repräsentatives  Entscheidungsgremium  entmachtet  worden  -
den  Vertragsentwurf  der  FGS  endgültig  beschließen.  Auf  einer  weiteren
Sitzung  am  19.  Juli  lehnte  die  PGAG  nach  heftigem  Protest  der  pfälzischen
  Bürgermeister  endgültig  jegliche  Änderungen  des  Vertragswerks
ab.27^  Zugleich  erhöhte  die  PGAG  ihr  Stammkapital  von  50.000  auf
500.000 Mark,  um  den  Eigenanteil  für  den  Leitungsbau  aufbringen  zu
können  und  die  Position  der  parteitreuen  pfälzischen  Kreisgemeinden  -
sie  verfügten  mit  270.000  RM  über  die  Mehrheit  des  Aktienkapitals  -
gegenüber  den  resistenten  Städten  zu  stärken.278  Die  vorgebrachten

275 Vgl.  Meinzer  (1983),  S.  103
2'6  LA  Speyer:  H  3  Nr.  10  673:  PGAG  vom  1.2.1934:  Zur  Frage  der  Gasfernversorgung
  der  Pfalz  von  den  Saarkokereien
-77  Auch  in  der  Presse  fanden  die  Kontroversen  -  wenn  auch  versteckt  -  ihren  Niederschlag:
  So  heißt  es  in  einem  Zeitungsartikel  der  Deutschen  Front  vom  12.12.1934:
"Versuche,  die  Ausführung  des  ganzen  Planes  mit  der  Behauptung  in  Frage  zu  stellen,
daß  eine  autoritäre  Entscheidung  zugunsten  der  Saargasleitungen  nicht  vorliege,
konnten  angesichts  der  Tatsachen  keinen  Erfolg  haben".  In  einem  Artikel  der  Saarbrücker
  Zeitung  vom  8.7.1934  wurden  Vergleiche  zwischen  den  langwierigen  Auseinandersetzungen
  im  Hessischen  Gebiet  und  der  Pfalz  gezogen:  "Jene  Vorgänge  hätten
  in  der  Pfalz  zweifellos  ihr  Spiegelbild  gefunden,  wenn  nicht  die  starke  Hand  des
neuen  Staates  dort  durchgegriffen  und  die  Dinge  unter  größeren  volkswirtschaftlichen
Gesichtspunkten  geordnet  hätte",  auch  GWF  77.  Jg.  (1934),  Nr.  28,  S.  485
27^  Die  Verteilung  des  Stammkapitals  der  PGAG  gestaltete  sich  danach  wie  folgt:

Pfälz.  Kreisgemeinden

270  000  RM

Ludwigshafen

60  000  RM

Kaiserslautern

30  000  RM

Pirmasens

20  000  RM

Speyer

15  000  RM

Frankenthal

15  000  RM

Neustadt

15  000  RM

345
            
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