wigshafener Gruppe zu isolieren. Vielmehr setzte sich der Ludwigshafener
Oberbürgermeister Ecarius innerhalb der PGAG erfolgreich für
die Vergabe eines weiteren Gutachtens ein, das die finanziellen Risiken
für die Stadt näher beleuchten sollte. Der Berichterstatter, der Stuttgarter
Betriebsdirektor Nübling, hatte sich mehrfach als entschiedener Anhänger
der Gruppengasversorgung profiliert, auch für Ludwigshafen
und die Vorderpfalz verwarf er im April 1934 die Ferngasversorgung.2"0
Infolgedessen sprach sich auch die Mehrzahl der pfälzischen Gaswerksleiter
gegen den Anschluss an die Ferngasleitung aus. Die Schlüsselposition
für die Leitung besaß zweifelsohne Ludwigshafen. Als ein
ergänzendes Gutachten von Nübling und ein zweites Gutachten von
Direktor Schumacher (Frankfurt) noch einmal die Bedenken der Stadt
untermauerten, lehnte der Stadtrat am 25. Mai 1934 das Vertragsangebot
der PGAG ab.2"1
Gauleiter Bürckel ging nun zur offenen Konfrontation gegen Ecarius
und Ludwigshafen über. Auf höchster Ebene gewann er den Bevollmächtigten
für den Saarabstimmungskampf, Vizekanzler von Papen,
für seine Ferngaspläne. Von Papen, der selbst aus der Saargegend
stammte, machte Hitler in mehreren Gesprächen auf die hohe Bedeutung
des Leitungsbaus und die Chancen einer propagandistischen Instrumentalisierung
im Abstimmungskampf aufmerksam. Hitler ordnete
daraufhin im Mai 1934 den Bau eigens an; aus einem Schreiben vom
Mai 1934 geht hervor, "daß der Herr Reichskanzler und Führer auf Fort rag
des Herrn Vizekanzlers entschieden hat, dass die Ferngasleitung von der Saar nach
Fududgshafen gebaut werden soll".21 Die Entscheidung, im Sommer 1934
öffentlich bekannt gegeben, bildete ein wesentliches Element des Rückgliederungsprogramms,
das Goebbels im Rahmen der großen Saarkundgebung
in Zweibrücken vorstellte.2 3
Nachdem das Thema des Leitungsbaus eine solche Brisanz erlangt
hatte, und führende Stellen in Staat und Partei in den Entscheidungsprozeß
eingriffen, konnten sich auch die kommunalen Akteure
der politischen Dimension der Entscheidung kaum noch entziehen.
Eine Ablehnung hätte sie in den Verdacht gestellt, die großen staatspolitischen
Aufgaben hinter untergeordneten kommunalpolitischen Zielen
zurückzustellen. Nur in Frankenthal und Oggersheim verweigerten die
Stadträte weiterhin ihre Zustimmung.274 Währenddessen versuchte
27*^ LA Speyer: H 3 Nr. 10 673: Gutachten vom 20.4.1934; Rothenberger (1995), S. 58
271 Vgl. Meinzer (1983), S. 101
272 LA Speyer: H 3 Nr. 10673: Oberberghauptmann an Ministerpräsident Siebert
vom 12.5.1934; H 3 Nr. 10684: von Papen an Direktion der FGS
273 M.H. (1935), S. 266
274 Rothenberger (1995), S. 59
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