Danach erwies sich für den Verbrauchszuwachs weniger der Haushaltsgasabsatz
verantwortlich, obwohl auch im Haushaltsbereich mehrere
technische Neuerungen - wie etwa der Gaskühlschrank - erfolgreich
eingeführt wurden. Auch das Kleingewerbe, Werkstätten, Garagen
und Läden gingen zunehmend zur Gasheizung über. Dennoch trugen
vor allem die Stahlindustrie und die Eisenverarbeitende Industrie
die Absatzsteigerungen.
Im Dezember 1938 überstieg die Gasnachfrage erstmals die Gasdarbietung.
Es kam zu Versorgungsengpässen. Die Ursachen der Engpässe
resultierten nachfrageseitig aus der Inangriffnahme wehrwirtschaftlicher
Sonderprogramme, dem starken Heizgasbedarf und der gesteigerten
Gasanforderung infolge von generellen Produktionserhöhungen; angebotsseitig
in Schwierigkeiten bei den Kohlelieferungen der Bergbauunternehmen
und der Maschinenbauindustrie für Gasreinigungs- und
Kompressorenanlagen sowie in Verzögerungen beim Anschluss neuer
Kokereien an das Fernleitungsnetz.251
Zur Steigerung der Produktionszahlen und zur Deckung der Bedarfslücken
plante man folgende Maßnahmen: den Neubau und die Erweiterungen
von Kokereien, den Bau von Generatoren zur Freimachung
von Unterfeuerungsgas auf den Zechen, den Anschluss von Kokereien
an das Ferngasnetz, den Ausbau des deutschen Ferngasnetzes durch
Bau von Sammel- und Kupplungsleitungen, den Bau von Schwefelreinigungs-
und Kompressorenanlagen, die Verhinderung des Anschlusses
neuer Abnehmer an das Ferngasnetz bis zur Behebung der Versorgungsengpässe
sowie die Stilllegung von Ortsgaswerken unter dem Gesichtspunkt
der Eingliederung in die nationale Großraumgaswirtschaft.252
Um die vorgesehenen Maßnahmen zu koordinieren und zu forcieren,
ernannte der Reichsbeauftragte für den Vierjahresplan im Januar 1939
den Leiter der Reichsgruppe Energiewirtschaft, Dillgardt, in Personalunion
zum Generalbevollmächtigten für die Deutsche Energiewirtschaft
(GBEn). Obwohl der GBEn weiterhin dem Reichswirtschaftsministerium
unterstand, bedeutete die Einrichtung der neuen Behörde
ein Schritt zur Verselbständigung der Energiepolitik. Der RWE-Mann
nutzte seine neue Rolle für eine weitere Entkommunalisierung der
Energiewirtschaft. "Unbeschadet seiner Eigenschaft suchte Dillgardt seine
^ BA Koblenz: R 4 Anh./7: Bericht über die Gaswirtschaft vom 26.1.1939
BA Koblenz: R 4/274: Stellungnahme zu den Vorschlägen über Planung der Gasversorgung;
R 4 Anh./7: Bericht über die Gaswirtschaft vom 26.1.1939
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