Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

beim  Reichswirtschaftsministerium  die  Genehmigung  zur  Fortführung
der  Ferngasleitung  von  Siegen  über  Wetzlar  nach  Frankfurt.  Neben
Buderus  in  Wetzlar  hatten  Opel  in  Rüsselsheim  und  die  IG  Farben  in
Flöchst  und  Griesheim  Interesse  an  Bezugsverträgen  mit  der  Ruhrgas
bekundet.  Die  Gemeinden  und  Kreise  im  Rhein-Main-Gebiet,  insbesondere
  aber  Frankfurt,  standen  jedoch  nach  wie  vor  den  Bestrebungen
der  westdeutschen  Lieferanten  ablehnend  gegenüber.  Um  eine  einheitliche
  Position  vertreten  zu  können  und  die  Ruhrgas-Pläne  zum
Scheitern  zu  bringen,  schlossen  sie  sich  kurze  Zeit  später  zur  "Rhein-Main-Gas
  GmbH"  zusammen.  Dieser  könne  nicht  daran  gelegen  sein,
so  der  Tenor  der  hessischen  Gaswirtschaft,  die  gesamte  Industrie  von
einem  einzigen  Ferngaslieferanten  abhängig  zu  machen,  der  dadurch
eine  Monopolstellung  erhalte,  die  nicht  einmal  dem  Wollen  der  Partei
entspreche.  Offensichtlich  brachte  das  Reichswirtschaftsministerium
den  kommunalwirtschaftlichen  Bedenken  der  Frankfurter  Gruppe  kein
Verständnis  entgegen,  im  Oktober  1936  genehmigte  die  Berliner  Behörde
  den  Antrag  der  RAG  auf  Grundlage  des  Gesetzes  zur  Förderung
der  Energiewirtschaft,  sodass  nach  entsprechenden  Enteignungsverfahren
  die  Bauarbeiten  noch  im  gleichen  Monat  beginnen  konnten.  Maingas
  AG  und  RAG  kamen  in  einem  vom  Reichswirtschaftsministerium
empfohlenen  Mustervertrag  über  eine  Aufgabenteilung  überein.  Das
Essener  Unternehmen  sollte  hiernach  für  jedes  gelieferte  Kubikmeter
Gas  einen  finanziellen  Abschlag  entrichten,  der  sich  nach  der  Jahreshöchstleistung
  des  Ortsgaswerkes  orientierte:  "Es  ist  klar;  daß  bei  einer
solchen  Regelung  der  Ferngas  tieferer  sich  das  ausschließliche  Recht  der  Preisbestimmung
  für  die  von  ihm  gu  beliefernden  Kunden  vorbehält.  Damit  aber  ist  nicht  nur
das  Recht  der  Verteilungshoheit,  sondern  auch  das  der  Tarifbestimmung  durch  die
Gemeinde  durchbrochen,  womit  das  gesamte  Preisgebäude  eines  Ortsgaswerkes  ins
Wanken  kommen  könnte  f.243  Hatte  Frankfurt  unter  den  Weimarer  Verhältnissen
  das  Vordringen  der  Ruhrgas  noch  verhindert,  gelang  es  dem
größten  deutschen  Ferngasunternehmen  unter  den  Bedingungen  des
Dritten  Reichs  Frankfurt  als  Pforte  nach  Süddeutschland  zu  erobern.
Gleichzeitig  drangen  Ruhrgas  und  TGW  über  Bonn  bis  nach  Koblenz
vor.  Auch  hier  bildeten  Industrieabschlüsse  mit  mehreren  Betrieben  der
Keramischen  und  Metallindustrie  die  Voraussetzung  dafür,  auch  die
kommunale  Versorgung  -  in  Bonn,  Beuel,  Königswinter,  Honnef  -
teilweise  zu  übernehmen.244

244  Deutsche  Allgemeine  Ztg.  vom  18.9.1937:  Offene  Fragen  der  Gasverbundwirtschaft

^44  Die  Deutsche  Volkswirtschaft  vom  20.5.1936:  Ferngas  dringt  weiter  vor;  Berliner
Börsen-Ztg.  vom  17.7.1936:  Baubeginn  der  neuen  Köln-Bonner  Ferngasleitung;  Deutsche
  Allgemeine  Ztg.  vom  17.7.1936:  Ferngas-Verbundwirtschaft;  Kölnische  Ztg.  vom

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