Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

Schaft weiter voranzutreiben und die kommunale Eigenständigkeit in 
der Gasversorgung zurückzudrängen.235 
Zu den wesentlichen Aufgaben der Reichsgruppe gehörte die Mittei¬ 
lungspflicht gegenüber dem Führer der Energiewirtschaft (Reichswirt¬ 
schaftsminister) über die Tarife und allgemeinen Lieferungsbedingun¬ 
gen sowie über die technischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der 
Mitgliedsunternehmen.236 Mit der Verordnung über die Mitteilungs¬ 
pflicht in der Energiewirtschaft vom 30. J uli 1934 erweiterte man dar¬ 
über hinaus die staatlichen Eingriffsmöglichkeiten auf die Versorgungs¬ 
unternehmen. Schließlich wirkte die Reichsgruppe an der Formulierung 
des "Gesetzes %ur Förderung der Energiewirtschaft" mit, welches am 13. De¬ 
zember 1935 erlassen wurde. Die mangelhafte Repräsentanz der kom¬ 
munalen Gaswirtschaft spiegelt sich in den Formulierungen des Ener¬ 
giewirtschaftsgesetzes wider. Als wichtigste Zielsetzungen benannte die 
Reichsregierung, "die Energieversorgung so sicher und billig wie möglich %u 
gestalten"Zu diesem Zweck müsse die Verbundwirtschaft forciert 
und volkswirtschaftlich schädliche Auswirkungen des Wettbewerbs 
verhindert werden. Die Anhänger dezentraler Versorgungskonzepte 
kamen damit endgültig in die Hinterhand, die Entscheidungsfreiheit der 
Gemeinden auf wirtschaftlichem Gebiet wurde wesentlich beschnit¬ 
ten.238 Auch erweiterte das Gesetz den staatlichen Einflussbereich 
erheblich. Die gesamte deutsche Energiewirtschaft, also Elektrizitäts¬ 
und Gasversorgung, unterstand von nun an der Aufsicht des Reiches; 
die Energieversorgungsunternehmen bekamen detaillierte Auskunfts-, 
Anzeige- und Genehmigungspflichten gegenüber dem Reichswirt¬ 
schaftsministerium auferlegt. Obwohl die Besitzverhältnisse der Unter¬ 
nehmen unangetastet blieben, bestanden nun endgültig die gesetzlichen 
Voraussetzungen, den öffentlichen Einfluss auf die Versorgungswirt¬ 
schaft zu erweitern.239 
Die zweite Phase der nationalsozialistischen Energiepolitik erstreckte 
sich von 1936 bis zum Scheitern des Blitzkriegskonzeptes im Winter 
1941. Sie ist geprägt von dem staatlichen Bemühen, den im Energie¬ 
wirtschaftsgesetz und im Vierjahresplan festgelegten Zielsetzungen so¬ 
wohl durch institutioneile als auch politische Maßnahmen zum Durch¬ 
bruch zu verhelfen. 
235 GWF, 77. Jg. (1934), Nr. 23, S. 409; Matzerath (1970), S. 398 
239 BA Abt. Potsdam: R 3101/9281: Verordnung über Mitteilungspflicht in der Ener¬ 
giewirtschaft vom 30.7.1934 
237 Energierecht (1990), S. 15; auch GWF, 78. Jg. (1935), Nr. 42, S. 802 f. 
238 Matzerath (1970), S. 401 
239 Vgl. Eggers (1937), S. 361; Maaß (1941), S. 41 
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