Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

für  zwei  Jahre  Beschäftigung  finden  könnten.  Knapp  die  Hälfte  der  gesamten
  Investitionskosten  von  ca.  90  Mio.  RM  sollte  als  Lohnkosten
der  Bauwirtschaft  wieder  direkt  zufließen.
Während  somit  in  Hinblick  auf  die  Verknüpfung  der  Energiepolitik  mit
sonstigen  staatlichen  Politikbereichen  zwischen  der  Gaswirtschaft  und
den  staatlichen  Behörden  weitgehende  Übereinstimmung  herrschte,
bestanden  innerhalb  der  Gaswirtschaft  die  Differenzen  über  die  Frage
der  Versorgungsstrukturen  einer  zukünftigen  Energiewirtschaft  und  die
Rolle  der  Kommunen  fort.  Nicht  zuletzt  aufgrund  dieser  unterschiedlichen
  Interessen  innerhalb  der  Gaswirtschaft  sowie  zwischen  Gas-  und
Elektrizitätswirtschaft  zogen  sich  die  Verhandlungen  um  den  Organisationsaufbau
  der  gewerblichen  Wirtschaft  bis  Ende  1934  hin,  ehe  ein
entsprechender  Erlass  zustande  kam.  Die  Energiewirtschaft  wurde  neben
  Industrie,  Handel,  Handwerk,  Banken,  Versicherungen  und  Fremdenverkehr
  zu  einer  eigenen  Reichsgruppe  zusammengefasst.234  Obwohl
  aber  gerade  der  Sinn  der  Neuorganisation  der  Energiewirtschaft
darin  bestand,  mögliche  Interessenkollisionen  von  vornherein  zu  unterbinden,
  gelang  es  nicht,  die  Gas-  und  Elektrizitätswirtschaft  in  einer
einzigen  Reichsgruppe  ohne  untergeordnete  Entscheidungsebenen  zu
vereinigen.  Stattdessen  wurde  die  Reichsgruppe  am  20.  Oktober  1934
in  zwei  getrennte  Fachgruppen,  die  Wirtschaftsgruppe  Elektrizitätsversorgung
  sowie  die  Wirtschaftsgruppe  Gas-  und  Wasserversorgung  mit
eigenen  Zuständigkeitsbereichen  unterteilt.  Kompetenzüberschneidungen
  und  -Streitigkeiten  zwischen  den  beiden  Wirtschaftsgruppen  und
der  übergeordneten  Reichsgruppe  standen  somit  bevor.
Als  Leiter  der  Reichsgruppe  Energiewirtschaft  setzte  sich  entgegen  den
Vorschlägen  der  kleineren  kommunalen  Gasversorger  der  Direktor  der
Bewag,  Carl  Krecke,  durch.  Für  die  mangelnde  Repräsentanz  der
kleineren  Versorgungsunternehmen  sprach  auch  die  Besetzung  des
Führerrats,  eines  ehrenamtlichen  Beratergremiums  der  Reichsgruppe,
welchen  Krecke  im  Juni  1934  einsetzte.  Mit  den  Direktoren  Nübling
aus  Stuttgart,  Müller  aus  Hamburg  und  Seippel  aus  Essen  rekrutierten
sich  die  Vertreter  der  Gaswirtschaft  ausschließlich  aus  den  Reihen  von
Großunternehmen  beziehungsweise  der  Ferngaswirtschaft.  Diese
nutzten  ihre  Position,  die  Konzentrationstendenzen  in  der  Gaswirt-234

 BA  Abt.  Potsdam:  R  3101/9284:  Anlage  zu  En  4649/44;  vgl.  auch  Eggers  (1937),
S.  362;  Fischer  (1968),  S.  81;  Matzerath  (1970),  S.  397;  das  Gesetz  zur  Vorbereitung
des  organischen  Aufbaus  der  deutschen  Wirtschaft  stammt  vom  27.  Februar  1934,
doch  wurde  die  entsprechende  Durchführungsverordnung  erst  am  27.  November
1934  erlassen.

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