3. Die ersten Pläne zur Ferngasversorgung der Pfalz
Zum gleichen Zeitpunkt, als die führenden pfälzischen Gaswerke den
Plan einer Gruppengasversorgung diskutierten, brachte die saarländische
Kokereigaswirtschaft die Idee einer Ferngasversorgung der Pfalz
ins Spiel. Ohne die Pfalz als benachbartes Absatzgebiet und als Transitland
für die Belieferung Hessens und Süddeutschlands wären jegliche
Pläne zum Aufbau einer Ferngasgesellschaft an der Saar von vornherein
zum Scheitern verurteilt gewesen. Mit ca. 80 Mio. Kubikmeter übertraf
der Jahresabsatz der Pfalz den der saarländischen Städte und
Gemeinden um das Dreifache. Aus Sicht der pfälzischen Gaswirtschaft
besaß eine Ferngasversorgung gegenüber einer internen Lösung gleich
in doppelter Hinsicht Vorteile. Zum einen hatten sich sämtliche Anstrengungen
zur Modernisierung und zum Ausbau der Eigenerzeugungsanlagen
erübrigt, zum anderen garantierte die relativ kurze Entfernung
zwischen den saarländischen Kokereien und den potentiellen
Absatzgebieten in der Pfalz niedrige Transportkosten und damit niedrige
Einkaufspreise. Schließlich ermöglichte der Ferngasbezug vor allem
die Landgemeinden als neue Verbraucher zu gewinnen, denn nicht
einmal die Hälfte der pfälzischen Bevölkerung verfügte über einen
Gasanschluss. Erst dann bestand die Aussicht, verlorenes Terrain auf
dem Gebiet der Wärmeerzeugung gegenüber der konkurrierenden
Elektrizität zurückzugewinnen.
Kaum setzten die Gründungsaktivitäten einer saarländischen Ferngasgesellschaft
ein, machten sich Vertreter saarländischer Kommunen für
eine Ferngasversorgung der Pfalz stark. Bei einem ersten Treffen am 8.
Januar 1927 kamen in Kaiserslautern auf Anregung des Homburger
Bürgermeisters Ruppersberg Vertreter saarländischer und pfälzischer
Kommunen zusammen. Bei dieser Gelegenheit fassten die Beteiligten
ins Auge, insbesondere die Städte der Saarpfalz und der Westpfalz mit
Kokereigas der saarländischen Eisenwerke zu versorgen und einzelne
kommunale Gaswerke in der Pfalz stillzulegen.21 Der Saarbrücker
Oberbürgermeister Neikes begab sich noch im gleichen Monat nach
München, wo er sich gegenüber dem Bayerischen Innenministerium für
eine Versorgung der Pfalz von der Saar stark machte und sich vehement
gegen eine Belieferung von der Ruhr aussprach. Weder konnte
jedoch die saarländische Seite ihr Vorhaben mit konkreten Angeboten
LA Speyer H 3/7706 I: Sitzungsprotokoll vom 8.1.1927; GWF, 69. Jg. (1926),
Heft 6, S. 121 f.; Pfälzischer Merkur vom 23.7.1926: Ferngasversorgungen der Städte;
Pfälzischer Merkur vom 3.8.1926: Ein großzügiges Projekt für Zweibrücken
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