Auch als im Juni 1929 die neu gegründete Ferngasgesellschaft Saar
(FGS) der PGAG erstmals ein konkretes Lieferangebot unterbreitete,
verlor die Idee einer Gruppengasversorgung keineswegs ihre Relevanz.
Die pfälzische Gaswirtschaft zog in Erwägung, zunächst eine Gruppengasversorgung
in der gesamten Vorderpfalz einzurichten, der späterer
eine Ferngasversorgung folgen sollte. Zusätzlichen Auftrieb erhielten
die Befürworter einer Gruppengasversorgung nicht zuletzt dadurch,
dass sich der vehemente Widerstand der lokalen Gaswirtschaft gegen
eine Zentralisierung der Gasversorgung nach und nach auflöste. Immer
mehr Gaswerke erreichten in der Zwischenzeit ihre Kapazitätsgrenze
und arbeiteten schlichtweg unrentabel. Die Stilllegung einiger Gaswerke
war somit nur noch eine Frage der Zeit.
Zunächst stand das kleine Gaswerk der Gemeinde Mussbach-Gimmeldingen
vor der Stilllegung. Die dortige Betreiberin, die LuK, beantragte
Ende 1930, die Erzeugung einzustellen und Gas vom benachbarten
Gaswerk in Neustadt zu beziehen.210 Bei einer Besichtigung stellte der
Gutachter, Oberbaudirektor Oefverberg aus Ludwigshafen, im März
1931 fest, dass Ofenanlage, Ammoniakwascher, Luftkühlung und
Druckregler völlig überlastet seien, das Gas nur unzureichend von Teer,
Ammoniak und Naphthalin gereinigt werden könne und deshalb die
Rohrleitungen völlig verstopft seien. Infolge der politischen Verhältnisse
mit Krieg, Inflation und passivem Widerstand sei die gründliche
Instandsetzung des Werks von Jahr zu Jahr unterblieben. So erklärten
sich auch die hohen Selbstkosten von neun bis zehn Pfennig pro Kubikmeter.
Aus volkswirtschaftlichen Gründen empfahl er daher, das
Gaswerk stillzulegen und die Gemeinde von Neustadt aus zu beliefern.211
Dort stand demgegenüber nichts im Wege, die Produktion auch
ohne größere Investitionen auszuweiten und der Nachbargemeinde das
Gas zu einem Preis zwischen 5,5 und sechs Pfg. zu liefern. Lag es in einer
solchen Situation nahe, auch in weiteren Umlandgemeinden von
Neustadt eine Gruppengasversorgung aufzubauen, erbrachte jedoch
eine Umfrage unter 22 Gemeinden, dass 16 Gemeinden eine Gasversorgung
aufgrund des erforderlichen Investitionsbedarfs ablehnten.
Nach Gas, so die Begründung eines Bürgermeisters, bestehe bei der
von Landwirtschaft und Weinbau geprägten Bevölkerung nur geringe
Nachfrage. Mehrere Bürgermeister wiesen ergänzend darauf hin, "dass
der mit Kohle oder Kebhoi\ gefeuerte bewährte Küchenherd immer den Vorrang be-210
LA Speyer H 3/10677: Staatsministerium des Innern an königliche Regierung der
Pfalz vom 19.11.1930
211 LA Speyer H 3/7706 II: Bericht Oefverberg vom 30.3.1931; Landauer Anzeiger
vom 15.4.1931: Die Versorgung der Mittelhaardt mit Ferngas; Pfälzische Landesztg.
vom 25.4.1931: Zur Gasversorgung der Haardtgemeinden
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